Gebärmutterhalskrebs : Das Risiko der Nebenwirkung

Nach dem plötzlichen Tod zweier junger Frauen ist die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs in die Kritik geraten. Wie gefährlich ist diese Impfung?

Hartmut Wewetzer

Als Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs wurde Gardasil gefeiert, Ende 2006 in Deutschland zugelassen und seitdem von den Krankenkassen bezahlt. Nun ist der Impfstoff gegen Humane Papillomaviren ins Gerede gekommen. Grund sind zwei Todesfälle junger Frauen. Die eine, eine 18-jährige Deutsche, starb im Sommer 2007, einen Tag, nachdem sie die zweite Gardasil-Dosis injiziert bekommen hatte. Im Oktober wurde eine 19-jährige Wiener Studentin tot in ihrer Wohnung aufgefunden, die drei Wochen zuvor mit Gardasil geimpft worden war. Ist der Impfstoff die Todesursache? Für die Eltern der jungen Wienerin ist der Fall klar: Behörden und PharmaLobby wollten den „hundertprozentigen“ Zusammenhang zwischen Impfung und Tod vertuschen.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA in London kommt zu einem anderen Schluss. „In beiden Fällen konnte die Todesursache nicht gefunden werden“, teilt die Behörde mit. „Zwischen den Todesfällen und der Gabe von Gardasil konnte keine ursächliche Beziehung hergestellt werden.“ Bisher seien in Europa etwa 1,5 Millionen Menschen mit Gardasil geimpft worden, in Deutschland geht man von 700 000 aus. Beide Frauen wurden obduziert, bei beiden konnte die Todesursache nicht geklärt werden. Bei der jungen Österreicherin fand sich lediglich eine leichte Bronchitis. Die Wiener Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung nun ein, da ein Fremdverschulden „nicht nachweisbar“ sei, wie ein Sprecher sagte.

Unklare plötzliche Todesfälle sind sehr selten, aber sie kommen in jedem Lebensalter vor. Darauf weist das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut in Langen hin. So starben 2006 in der Altersgruppe der 15- bis unter 20-Jährigen in Deutschland 22 Frauen. Die Gesamtzahl weiblicher Personen in dieser Altersgruppe betrug 2,3 Millionen. Jedes Jahr stirbt also eine von 100 000 Mädchen und Frauen zwischen 15 und 20 aus unklarer Ursache. „Das heißt, dass bei Impfung eines großen Teils dieser Bevölkerungsgruppe auch rein zufällig mit derartigen Todesfällen in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung gerechnet werden muss“, lautet das Fazit des Paul-Ehrlich-Instituts.

„Bei uns sind bisher rund 200 Meldungen über mögliche Nebenwirkungen von Gardasil eingegangen“, sagte eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts dem Tagesspiegel. „Mit Ausnahme des Todesfalls entspricht das Spektrum dieser Meldungen dem, was bereits bekannt und auf der Packungsbeilage verzeichnet ist.“ Sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als zehn Prozent) sind Fieber, Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle, Juckreiz und Blutungen an der Injektionsstelle sind seltener.

Der Politik reicht das nicht. „Eine Begleitstudie zur Gebärmutterhalskrebsimpfung ist dringend erforderlich, um möglichen Schaden von gesunden jungen Mädchen und Frauen abzuwenden“, so Annette Widmann-Mauz, die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Beim Gardasil-Hersteller Sanofi Pasteur MSD weist man darauf hin, dass ein umfangreiches Sicherheitsprogramm existiert. So gebe es Sicherheitsstudien mit 44 000 Teilnehmern.

Der Impfstoff steht somit weiter unter genauer Beobachtung. Bis es weitere Ergebnisse gibt, überwiege der Nutzen von Gardasil die Risiken, lautet das Urteil der Europäischen Arzneimittelbehörde. Gardasil verleiht einen fast hundertprozentigen Schutz gegen die krebserregenden Virustypen 16 und 18. Sie spielen bei 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs eine entscheidende Rolle. An dem Tumor erkranken in Deutschland jedes Jahr 6500 Frauen, etwa jede vierte von ihnen stirbt an der Krankheit.

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