Zeitung Heute : Gebt Gummi!

Mit ihrem Auftritt beim Glastonbury-Festival hat Supermodel Kate Moss den guten alten Gummistiefel vor einigen Jahren wieder salonfähig gemacht. Inzwischen gibt es die Gartentreter von klassisch-schlicht bis poppig-bunt

Dass ausgerechnet Gummistiefel eines Tages nicht nur trockene Füße unter extrem widrigen Wetterbedingungen, sondern auch modischen Distinktionsgewinn bieten könnten, war noch vor wenigen Jahren undenkbar. Die klobigen Kunststofftreter gehörten einfach in die Welt der Gärtner, Bauern, Jäger und Wattwanderer, und dort sollten sie bitteschön auch bleiben.

Doch dann kam – wie so oft in der Modewelt – Kate Moss, und alles wurde anders. Vor einigen Jahren tauchte das Supermodel auf dem britischen Open-Air-Festival in Glastonbury, berühmt und berüchtigt für seinen schlammigen Untergrund, in einer Kombination aus Hot Pants und Gummistiefeln auf. Und plötzlich standen Letztere für authentischen Rock’n’Roll-Ethos und modische Avantgarde. Schnell stellte sich auch heraus, was für Treter die Moss da getragen hatte: Es handelte sich um Modelle des britischen Traditionsunternehmens Hunter, die da so unvermittelt ein begehrtes Accessoire wurden.

Und die Modehäuser reagierten. Auf einmal brachten High-Fashion-Designer eigene Gummistiefel auf den Markt. Und traditionelle Hersteller nahmen neben einfarbigen Klassikern bunt gemusterte, poppige Lifestyle-Stiefel ins Repertoire auf. Wie weit die „Liebe zum Gummi“ mittlerweile verbreitet ist, lässt sich an einem regnerischen Herbsttag in Berlin-Mitte hervorragend beobachten. Und auch in den deutschen Wohnzimmern dürfte sich das Phänomen seit einigen Wochen herumgesprochen haben. Im letzten Tatort aus Münster, den über zehn Millionen Zuschauer verfolgten, stellte Gerichtsmediziner Professor Börne mal wieder seine Stilsicherheit unter Beweis: mit extravaganten karierten Gummistiefeln.

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