Zeitung Heute : Gedanken ohne Schranken

135 Unternehmen und Einrichtungen bewerben sich für den Innovationspreis Berlin Brandenburg 2013.

Valerie Schönian

Menschen, die eigenständig und originell denken, über Grenzen und Gegebenes hinaus gehen, haben als Querdenker nicht nur Freunde. Doch auch ihre Stunde schlägt, und zwar jetzt: Der diesjährige Innovationspreis Berlin Brandenburg, der am gestrigen Freitagabend im Hans Otto Theater in Potsdam vergeben wurde, steht unter dem Motto „Cross Innovation“. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als Disziplinen übergreifendes Denken. „Man hat erkannt, dass Interdisziplinarität im Innovationsbereich immer stärker wird“, sagt Alexander Kästner vom Team des Wettbewerbs zur Schwerpunktsetzung.

Insgesamt 135 Unternehmen und Einrichtungen aus der Region haben sich in diesem Jahr für einen der fünf möglichen Innovationspreise in fünf verschiedenen Clustern beworben. Zwar gab es aus allen Bereichen Einreichungen.  Doch zahlenmäßig betrachtet war die Cluster Gesundheitswirtschaft- sowie Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) traditionell stärker vertreten. „Das liegt an der starken Start-up-Szene im IKT-Bereich in Berlin“, sagt Kästner. Auch in der Energietechnik und im Cluster Verkehr, Mobilität und Logistik gab es vergleichsweise viele Einreichungen. Innovationen aus dem Bereich optische Technologien waren bei der diesjährigen Vorauswahl quantitativ weniger stark vertreten, dafür aber qualitativ besonders hochwertig.

Aus den 135 Bewerbungen wählte eine 18-köpfige Jury Anfang November sieben Nominierte. Zwei Unternehmen kommen aus dem Energie-, zwei weitere aus dem Verkehrscluster. Eine Einrichtung hat ihre Innovation im IKT-Bereich vorangetrieben. Zwei der Nominierten fühlten sich dem Kernmotto des Wettbewerbs besonders verpflichtet. Sie sind dem Optik-, respektive dem Gesundheitsbereich zuzurechnen. Disziplinen übergreifenden Denkens sind wichtig, sagt Frank Bier, der zum wiederholten Mal in der Jury des Wettbewerbes sitzt. „Viele Dinge sind in einigen Bereichen schon bekannt, könnten aber erst in einem anderen Zusammenhang ihre ganze wirtschaftliche Kraft entfalten“, sagt der stellvertretende Leiter des Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT. Wenn zum Beispiel im Optik-Cluster eine Methode schon entwickelt sei, könne man diese im medizinischen Bereich neu anwenden – der Clou dafür sei, beide Bereiche zusammen zu denken.

Dieses Qualitätsmerkmal hat zum Beispiel der „2 PM VertiScan“ – ein Gerät, dessen Erfinder ausgezeichnet wurden. Damit können Dermatologen Gewebeschnittbilder in zellulärer Auflösung sehen. So sind Hauterkrankungen wesentlich schmerzfreier und ohne Narbenbildung zu diagnostizieren. Was hier also erst einmal nach einem Fortschritt in der Optik klingt, trägt auch Früchte in der Medizin. Es ist wahrscheinlich, dass sich dieses clusterübergreifende Denken in Zukunft weiter etablieren wird. Das liegt auch an den neuen Computertechnologien – kaum eine Innovation wird ohne sie entwickelt, sagt Kästner: „Damit fallen viele Entwicklungen neben einem anderen Cluster auch in den IKT-Bereich.“

Aber auch ein anderer Trend zeichne sich ab: Immer mehr Innovationen dienen der Effizienzsteigerung und Energieeinsparung. „Das sieht man auch an den Bewerbungen, dass darauf Wert gelegt wird.“ Die nominierten und prämierten Unternehmen bestätigen den Befund. Ein Blockheizkraftwerk der Danpower GmbH ermöglichte es der Vestas Blade Deutschland GmbH, die Wärme für Produktionsprozesse in einer eigenen Biogasanlage selbst zu produzieren; die Howoge Wohnungsbaugesellschaft integrierte eine Luft-Wasser-Gas-Absorbtionswärmepumpe in einen Wohnkomplex – und reduziert so Kohlenstoffdioxid-Emissionen und Erdgasverbrauch. Die IAV GmbH entwickelte schließlich einen neuen Motor, der mit weniger Kraftstoff auskommt.

Der Innovationspreis soll Bewerber zum Querdenken animieren, das Motto „Cross Innovation“ soll es noch einmal befeuern. Doch auch, wenn sich Schwerpunkte von Jahr zu Jahr verschieben mögen, das Kernprinzip der Jury bleibt: „Bei den Bewerbungen muss klar sein, dass sie auch umsetzbar sind“, sagt Mitentscheider Bier.“ Erst, wenn der Markt erreicht ist, kann man von einer Innovation sprechen. Vorher ist es eine Idee.

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