Zeitung Heute : Gedanken über Chips

Der größte Chiphersteller der Welt, Intel, hat es zur Zeit nicht leicht.Der Grund: Die Konkurrenz mischt in dem Geschäft mit den Mikroprozessoren ordentlich mit, und was den Handel im Internet beflügeln sollte - die digitale Serienummer des Pentium-III - erntete harsche Kritik seitens der Datenschützer.

Rob Eckelmann ist der Geschäftsführer von Intel Europa.Mit ihm sprach unser Mitarbeiter Holger Schlösser auf der Computermesse Cebit.

TAGESSPIEGEL: Herr Eckelmann, Intel stellt auf der Cebit seinen derzeit schnellsten Computerchip, den Pentium-III mit 800 MHz, vor.Aus der Sicht des Konsumenten: Wofür brauchen wir diese Geschwindigkeit?

ECKELMANN: Was die Industrie momentan vorantreibt, ist das Internet.Mit unseren Chip-Plänen wollen wir diesen Trend noch verstärken.Unser Chip nicht einfach nur schneller, er ermöglicht eine neue Erfahrung im Umgang mit diesem Medium.Die Computer müssen heute mehr leisten als früher.

TAGESSPIEGEL: Intel-Konkurrent AMD hat erstmals in den USA mehr Chips verkauft als Sie.Wie wollen Sie verlorene Marktanteile zurückerobern, und erwarten Sie ähnliches auch für Deutschland?

ECKELMANN: Diese Zahlen betreffen nur den US-Einzelhandel.AMD hat hier gleichwohl gut gearbeitet.Aber der amerikanische Markt unterscheidet sich sehr vom europäischen.Viele Menschen haben bereits einen PC, und kaufen daher lieber ein neues Gerät aus dem Low-Budget-Segment.Unsere Antwort war der preiswerte Celeron-Chip und der ist auch sehr gut gelaufen.Hier in Europa ist die Situation eine andere.Besonders in Deutschland kaufen die Leute Rechner mit einem guten Gespür für die Zukunft.Sie entscheiden sich für Qualität.

TAGESSPIEGEL: Auf der diesjährigen CeBIT sind die alternativen Betriebssysteme Linux und BeOS ein Thema für viele Unternehmen, wie wichtig sind diese für Intel?

ECKELMANN: Das ist ein großes Thema für uns.Wie Sie wissen, haben wir mit der Investition in das Unternehmen "RedHat" einen Schritt in diese Richtung unternommen.Und unser neuer Pentium-III-Xeon eignet sich aus Unix-Server für das Internet.

TAGESSPIEGEL: Sie haben viel Kritik seitens der Datenschützer einstecken müssen, als sie die digitale Seriennummer in ihrem Prozessor vorstellten.Haben Sie damit gerechnet?

ECKELMANN: Nein, ganz sicher nicht.Wir haben immer wieder gehört, das Internet sei zu unsicher, um Finanztransaktionen darüber abzuwickeln.Dagegen wollten wir etwas tun, indem zusätzlich zum persönlichen Paßwort auch der Computer identifiziert wird.Das Dilemma wurde uns zu spät deutlich: Die Leute wollen Sicherheit und Privatsphäre, zwei Bereiche, die schwierig miteinander zu vereinbaren sind.Die Bedenken sind korrekt - auch wir haben dazugelernt.Wir wollen die Balance zwischen beiden halten.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben