Zeitung Heute : Gefahr aus der Luft

Auch wenn kein Brand ausbricht: Blitzeinschläge können an Gebäuden große Schäden verursachen. Wer ganz sichergehen will, rüstet sein Haus mit Schutzanlagen aus.

Gewaltige Entladung. Blitze schlagen in der Regel in den höchsten Punkt ein. Wer ein Haus bewohnt, das exponiert steht, sollte eine Blitzschutzanlage installieren. Pflicht ist Blitzschutz für öffentliche Gebäude und Einrichtungen mit vielen Besuchern. Foto: dapd
Gewaltige Entladung. Blitze schlagen in der Regel in den höchsten Punkt ein. Wer ein Haus bewohnt, das exponiert steht, sollte...Foto: dapd

Blitz und Donner hatte Gerhard F. immer eher scherzhaft den „Zorn Gottes“ genannt und heftige Gewitter wie in diesen Wochen als schönes Sommerschauspiel am Himmel verfolgt. Bis ihn der Zorn Gottes selbst traf. Und das ging in die Tausende.

Genau genommen war der Blitz ins etwas höher stehende Nachbarhaus eingeschlagen, das auch die charakteristischen Spuren zeigte, etwa die aufgerissene Dacheindeckung. Es war ein Blitzeinschlag wie nach dem Lehrbuch der Meteorologen: Sekundenbruchteile vor dem Treffer sucht sich der Blitz in einer sogenannten Blitzkugel von mindestens 20 Meter Durchmesser das lohnendste Ziel, in diesem Fall den höheren Dachfirst. Starke Blitze bilden Blitzkugeln von 60 Meter Durchmesser und mehr.

Es war zum Glück ein sogenannter kalter Blitz – zu kurz, um den Dachstuhl in Brand zu setzen. Doch die Stromladung war heftig genug, um durch das ganze Gebäude zu fegen. Das Nachbarhaus von Gerhard F. blieb äußerlich unversehrt, der Überspannungsschlag war aber auch in das Stromnetz dieses Hauses gefahren – und hatte so ziemlich alles zerstört, was mit Elektronik bestückt war. Vor allem die hochwertige TV- und Musikanlage ging ins Geld, auch die Computerausrüstung.

Der Fall erschien auf den ersten Blick kompliziert für die Schadensabwicklung – Blitzeinschlag beim Nachbarn, keine sichtbaren Schäden am eigenen Haus – aber die Hausratsversicherung zahlte anstandslos. Das ist kein Einzelfall: „Ärger mit der Versicherung bei Blitzschäden gibt es kaum noch“, erläutert Hajo Köster vom Bund der Versicherten. „Ist ein Blitzeinschlag nachweisbar, dann wird der Schaden ersetzt.“ Rüdiger Strichau von der Berliner Verbraucherschutzzentrale kann das nur bestätigen.

Blitzschäden sind in nahezu allen Hausratsversicherungen eingeschlossen, den Schaden am Dach etwa ersetzt die Gebäudeversicherung. Versicherungsexperte Köster rät aber dazu, sich getrennt vom Blitzrisiko auch gegen Überspannungsschäden abzusichern, „schon wegen der Wolkenblitze“. Bei diesen Blitzen von Wolke zu Wolke gibt es keinen Einschlag am Boden, der sich nachweisen ließe. Dennoch kann es im Umfeld zu Überspannungsschäden kommen. In den meisten Hausratsversicherungen seien solche Schäden bis 5000 Euro gedeckt, sagt Köster. Es sei aber nicht falsch, gegen geringes Aufgeld die Versicherungssumme zu erhöhen. Der Maschinen- und Gerätepark in einem Einfamilienhaus, von der Waschmaschine bis zur teuren Espressomaschine, ganz zu schweigen vom edlen Großbild-TV und den Computern, erreicht schnell höhere Dimensionen.

Wer kompletten Blitzschutz will, muss ordentlich in die Tasche greifen: Für ein Einfamilienhaus muss man nach Auskunft von Fachleuten mit rund 3000 Euro für einen Blitzableiter rechnen, dazu kommen noch rund 300 bis 1000 Euro für den Überspannungsschutz samt Blitzstromableiter im Inneren des Hauses. Das sind allerdings nur Anhaltswerte, weil Blitzschutzanlagen für jedes Haus individuell konzipiert werden müssen.

Blitzschutzanlagen sind in der Regel für Privatgebäude nicht vorgeschrieben, wohl aber für öffentliche Einrichtungen und Anlagen mit starkem Besucherverkehr – das geht von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Verwaltungsgebäuden sowie Theatern bis hin zu Gastbetrieben, Sportanlagen und anderen Freizeiteinrichtungen. Das letzte Wort hat immer das zuständige Bauamt, das bei der Baugenehmigung abwägen muss, ob je „nach Lage, Bauart oder Nutzung Blitzschlag leicht eintreten oder zu schweren Folgen führen kann“. Dann wäre nach § 47 der Berliner Bauordnung eine „dauernd wirksame Blitzschutzanlage“ zwingend vorzuschreiben.

Auf jeden Fall sollte ein Blitzschutz auch ohne behördliche Auflage installiert werden, wenn ein Gebäude exponiert als höchster Punkt in der Landschaft steht. Oder wenn das Haus – was für norddeutsche Seelen das höchste der Gefühle ist – mit Reet eingedeckt ist. Reet- und andere Weichdächer sind aufwendig zu schützen, das verlangen in aller Regel schon die Versicherungen.

Ein besonderer Fall sind Fotovoltaikanlagen auf dem Dach von Gebäuden. Blitzschutz ist selten vorgeschrieben, aber höchst sinnvoll. In der Fachwelt heißt es, ab einer Leistung von zehn Kilowatt Peak (KWp) sollte auf jeden Fall Schutztechnik mit verbaut werden. Anlagen dieser Größe können nämlich auch schon Schaden nehmen, wenn der Blitz nicht direkt einschlägt – durch das starke magnetische Feld bei einer Entladung.

Richtig installiert besteht eine Blitzschutzanlage immer aus zwei Elementen: dem äußeren Blitzschutz und der internen Anlage. Der äußere Schutz besteht im Grunde aus einer kräftigen Metallstange, die die Silhouette des Daches nachzeichnet und darüber hinausragt. Das wäre dann in einer Blitzkugel über dem Haus die ideale Fangeinrichtung. Beim Einschlag muss der extrem hohe Blitzstrom von vielen tausend Ampere schnurstracks über die senkrechten Erdungen der Anlage ausreichend tief in den Boden abgeleitet werden.

Der interne Blitzschutz dient vor allem der Abwehr von Überspannungen und der Gefahr eines elektrischen Schlages für die Hausbewohner. Der ohnehin vorgeschriebene Potenzialausgleich zwischen der elektrischen Installation und den Rohrleitungen muss besonders sorgfältig aufgebaut sein und das gesamte „Metallgerüst“ eines Hauses erfassen, zum Beispiel auch Netzwerkleitungen, Montagerahmen und Fahrstühle.

Das ist ausschließlich eine Arbeit für Fachleute, denn eine falsch installierte Anlage würde das Risiko für die Hausbewohner noch verstärken. Ansprechpartner für die Außenanlagen sind in erster Linie die spezialisierten Betriebe, die internen Anlagen sind auch eine Aufgabe für Elektrofachbetriebe.

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