Zeitung Heute : Gefahr von draußen

Fabian Leber Bas Kast

In Deutschland ist das Vogelgrippe-Virus H5N1 erstmals bei einer Katze nachgewiesen worden. Welche Gefahren entstehen daraus für Menschen und Haustiere?


Dass auf der Insel Rügen eine Katze an der Vogelgrippe gestorben ist, sei kein Grund, überall in Deutschland Katzen einzusperren. Das sagte die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit (FLI), Elke Reinking, dem Tagesspiegel: „Aber auf Rügen haben wir es mit einem massiven Seuchengeschehen zu tun.“ Auf dem Festland seien dagegen nur einzelne infizierte Vögel gefunden worden. „Auf Rügen raten wir Katzenbesitzern, den Kontakt mit ihrem Tier etwas zu reduzieren und Kinder nicht alleine mit ihm spielen zu lassen.“

Die Ansteckung über eine Katze sei aber nur wahrscheinlich, wenn ein Mensch „Kot, Nasensekret oder Augensekret“ einer infizierten Katze „über den Mund oder die Augen“ aufnehme. Um sich anzustecken, müssten Menschen mit einer „hohen Virusmenge“ infiziert werden. Das Verbraucherschutzministerium in Berlin riet Haustierbesitzern am Dienstag, nicht in voreilige Panik zu verfallen. Das FLI empfiehlt Katzenbesitzern jedoch, auf besondere Hygiene zu achten. „Eine theoretisch nicht auszuschließende Ansteckung des Menschen kann vermutlich nur bei sehr innigem Kontakt mit infizierten Tieren erfolgen“, sagte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter.

Den Gang zum Tierarzt empfehlen Experten nur, wenn sich bei Katzen, die Freilauf in von der Vogelgrippe betroffenen Gebieten hatten, Symptome einer Erkältung zeigen. Haustiere sollten außerdem von toten oder erkrankten Vögeln fern gehalten werden.

Die mit dem H5N1-Virus infizierte Katze auf Rügen war nach Angaben des Schweriner Agrarministers Till Backhaus ein „wohlgenährter, gut gepflegter Kater“. Der Besitzer habe das 4,8 Kilogramm schwere Tier weggesperrt, nachdem es im Kreis gelaufen war. Am nächsten Morgen habe er es tot aufgefunden und die Behörden informiert.

Dass sich Katzen mit der Vogelgrippe anstecken können, war schon länger bekannt. In den vergangenen Jahren starben in Asien mehrere Großkatzen, die in Zoos mit H5N1-infiziertem Geflügel gefüttert wurden. Nach dem Auftreten der ersten Fälle bei Hauskatzen in Thailand im Februar 2004 stellten niederländische Forscher fest, dass Katzen sich auch untereinander mit H5N1 anstecken können. In einem Versuch hielten sich gesunde Katzen mit angesteckten Artgenossen in einem Raum auf – später waren auch die gesunden Tiere infiziert. Dabei beschränkte sich der Erreger nicht nur auf die Atemwege und Lunge, sondern war in weitere Organe vorgedrungen: Darm, Leber, Nieren, Herz und Gehirn. Sorge machte den Forschern, dass die Ansteckung auf eine Anpassung des Virus hindeutete.

Dass Hunde vor der Vogelgrippe sicher sind – wie häufig behauptet wird – lässt sich ebenfalls nicht nachweisen. Forscher am Institut für Tiergesundheit in Bangkok untersuchten vergangenes Jahr 629 Hunde und 111 Katzen in Thailand. Es zeigte sich: 160 Hunde und acht Katzen wiesen Antikörper gegen H5N1 aus, das heißt, sie waren infiziert oder hatten sich zumindest in der Vergangenheit einmal mit dem Erreger angesteckt.

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