Zeitung Heute : Gefüllte Zucchinischiffchen

...und den Ricotta dazu

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Von Renzo Pasolini Für diese Vorspeise brauchen Sie Zucchini, nicht diese riesigen grünen Kürbisse, die im deutschen Supermarkt als Zucchini verkauft werden: Sie müssen klein und dünn sein, höchstens zwei Zentimeter dick und nicht länger als 15 Zentimeter. In dieser Größe haben sie noch keine ausgereiften, bitteren Kerne und nicht dieses pappige weiße Fleisch. Bis November finden Sie die locker im Gemüseladen. Als Vorspeise reicht eine Zucchini pro Person, als Hauptspeise würde ich zwei nehmen. Die werden halbiert und mit einem Teelöffel so lange ausgekratzt, bis ich kleine Schiffchen habe, gesalzen und zur Seite gelegt. Die kommen später roh in den Ofen.

Für die Füllung brauche bei vier Leuten eine kleine Schale Ricotta, etwa 80 Gramm. Bei uns in Italien bekommt man in jedem kleinen Supermarkt frischen Ricotta von der Kuh, vom Schaf, was man will. Hier muss man sich meistens mit dem pasteurisierten von Galbani begnügen. Ricotta ist sehr mild, weshalb er so gut zu Gemüse passt. Man muss ihn nur entsprechend würzen.

Ich nehme Salz, Pfeffer und frische gehackte Kräuter: Ein bisschen Petersilie, ein bisschen Basilikum, ein bisschen Salbei oder Thymian, verrühre das ganze mit einem Esslöffel geriebenen Parmesan und fülle die Masse in einen Spritzbeutel. Wenn Sie keinen Spritzbeutel haben, verteilen sie den Ricotta mit dem Löffel auf die ausgehöhlten Zucchini. Die kommen dann bei 180 Grad eine Viertelstunde in den Ofen. Auf keinen Fall länger. Zum Schluss gebe ich noch einen Schuss Olivenöl drüber. Ein gutes Weißbrot dazu. Perfetto.

Die meisten rufen nach dem ersten Bissen enttäuscht: „Schmeckt ja nach nichts!“ Stimmt, fast. Die meisten bekommen auch nie die Gelegenheit, richtig frischen Ricotta zu essen. Als Notbehelf dient hierzulande Industrieware mit ewiger Haltbarkeit. Bei Lindenberg (Moabit, Morsestr. 2, Tel. 3908150) gibt es einen dieser Molkekäse von Francia, eingeschlagen in Fettpapier, so, wie früher auch frischer Quark verkauft wurde. Der Geschmack ist mild, wie er sein muss (sauer wäre verdorben), die Konsistenz homogen, wie sie sein muss (krümelig ist alt). Ricotta ist ein Abfallprodukt der Käseproduktion, man füllt Ravioli damit, backt Kuchen oder isst es auf Brot (Marmelade dazu oder getrocknete Tomaten). Doch nur wer mal bei einem sardischen Schafshirten noch warmen Ricotta gelöffelt hat, kennt das Glück.

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