Zeitung Heute : Gegen die Wand

In Wedding gibt es Crashtests und Tipps zur Sicherheit von Kindern

Sybille Nitsche

Jedes Jahr sterben auf Europas Straßen rund 700 Kinder, mehr als 80 000 werden verletzt. Dabei sind sie nicht nur als Fahrradfahrer und Fußgänger gefährdet, sondern auch als Insassen im Auto. Laut Statistischem Bundesamt kamen 2004 knapp über die Hälfte der 153 unter 15 Jährigen, die bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt worden waren, in einem Auto ums Leben. Wissenschaftler des Fachgebiets Kraftfahrzeuge der TU Berlin haben deshalb untersucht, wie die Sicherheit von Kindern in Fahrzeugen verbessert werden kann. „Viele Kinder werden schwer oder tödlich verletzt, weil sie nicht ausreichend gesichert sind. Zwei von drei sind nicht richtig angeschnallt“, sagt Sebastian Weber, der in dem europäischen Forschungsprojekt „Child“ mitarbeitete. Die Wissenschaftler wollten vor allem herausfinden, was die typischen Verletzungen bei Kindern sind und welche Belastungen sie überstehen. 250 reale Unfälle wurden analysiert, einige im Crashlabor nachgestellt.

Während der Langen Nacht der Wissenschaften demonstrieren die Forscher, was passiert, wenn Kinder nicht richtig angeschnallt sind.

Dafür wird ein Aufprall bei 65 Kilometern pro Stunde durchgeführt und anhand eines Dummys gezeigt, was mit einem Kind in einem Kindersitz bei einem Frontalaufprall passiert. Fünf bis sechs solcher Versuche sind geplant.

Unabhängig vom Child-Projekt haben Studenten der TU Berlin einen intelligenten Kindersitz entwickelt, der die häufigsten Fehler erkennt und anzeigt. Selbstverständlich kann auch der kluge Sitz während der Langen Nacht getestet werden. Wer mit eigenem Pkw und seinem Nachwuchs auf das Gelände des Technologiezentrums in Berlin-Wedding kommt, dem bieten die Wissenschaftler einen besonderen Service. Sie überprüfen die Sicherung des Kindes und geben Tipps für Verbesserungen. Ein anderes Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr sowohl für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist der Alkohol. Besucher können am eigenen Leib testen, wie stark Alkohol die Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr beeinträchtigt. Darüber hinaus gewähren die Wissenschaftler während der Langen Nacht interessante Einblicke in die Forschungen zum Fußgängerschutz, zur Sicherheit von Motorrädern sowie alternativen Kraftstoffen.

Die Kraftfahrzeugtechniker der TU Berlin können mittlerweile auf eine lange Geschichte zurückblicken. In diesem Jahr feiern sie das hundertjährige Jubiläum ihres Fachgebietes: 1907 gründete Alois Riedler den Berliner Lehrstuhl für Kraftfahrwesen und das Laboratorium für Verbrennungskraftmaschinen und Kraftwagen. Zwei Jahre später richtete er in dem Laboratorium die „Amtliche Prüfstelle für Kraftfahrzeuge“ ein. Mitte der 20er-Jahre verschob sich der Schwerpunkt von der Motortechnik auf die Entwicklung von Personenkraftwagen und Aluminiumkarosserien. Wesentliche Impulse für gesetzliche Vorschriften zum Seitenschutz bei Lkw gingen seit 1975 von Forschungen an der TU Berlin aus. Große Aufmerksamkeit erlangten die Wissenschaftler auch mit Uni-Car, einem Forschungsauto aus dem Jahr 1980. Jüngstes Produkt der Kraftfahrzeugtechniker ist „Clever“, ein zweisitziges Schmalspurauto für den Stadteinsatz.

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