Zeitung Heute : Gegen die Zeit

Barbara Junge

Das Auswärtige Amt hat bis jetzt nach eigenen Angaben noch keine Verbindung zu den Geiselnehmern von Susanne Osthoff. Warum ist es so schwer, mit den Entführern in Kontakt zu treten?


Die einen fürchten sich vor dem Ablauf eines möglichen Ultimatums, die anderen hoffen bei aller Angst doch irgendwie auf einen solchen Termin. Denn noch hat der Krisenstab nach dem Stand von Donnerstagmittag keine genauen Erkenntnisse darüber, aus welchem Bereich die Entführer von Susanne Osthoff stammen. Nicht einmal die Frage, ob man es mit Terroristen oder mit Kriminellen zu tun hat, schien geklärt werden zu können. Also blieb neben der Befürchtung, die Entführer könnten nach Ende eines Ultimatums ihre Geiseln töten, auch der Gedanke, dass die Entführer der 43-jährigen Deutschen und ihres Fahrers dann von sich aus den Kontakt suchen könnten. Denn bis dato konnte nach Aussagen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kein Kontakt hergestellt werden – die Voraussetzung dafür, das Leben der Beiden zu retten.

Dass die Kontaktaufnahme von Seiten der Deutschen oder ihren Vermittlern gelingt, hängt fast ausschließlich davon ab, ob die Entführer den Kontakt wollen oder aber anderen Optionen den Vorzug geben. Eines auf jeden Fall spricht wahrscheinlich aus Sicht der Entführer für die Deutschen: In früheren Fällen wie auf den Philippinen und bei den Sahara-Geiseln wechselten hohe Lösegeldsummen den Besitzer. Die Bundesregierung, der Krisenstab und der Bundesnachrichtendienst haben jetzt vielfältige Wege eingeschlagen, in Kontakt zu treten. Genutzt werden zum einen die Kontakte, die deutsche Behörden und Stellen im Irak und in den umliegenden Ländern haben. Besser sind allerdings die angestammten Kontakte der Institutionen anderer Länder in der Region. Hier werden alle Erkenntnisquellen genutzt, auch um überhaupt erst zu einem Bild der Lage zu kommen.

Insbesondere auf Länder wie Frankreich und Italien, die in früheren Entführungsfällen bereits erfolgreich gearbeitet haben, setzt die Bundesregierung darüberhinaus große Hoffnung. Dabei geht es vor allem darum, welche Gruppierungen im Irak angesprochen werden müssten.

Zentral bei der Kontaktsuche zu den Entführern sind auch die gesellschaftlichen Gruppen und sozialen Organisationen im Irak. So versucht man über religiöse Organisationen einen Kontakt herzustellen. Das Umfeld der Entführten ist ebenso ein wichtiger Baustein bei den Bemühungen. Über die irakische Regierung wird auch direkt versucht, andere im Land einflussreiche Gruppierungen einzubeziehen.

Der Fall an sich und die damit jetzt verbundene Kontaktsuche kommt für die Bundesregierung nicht unerwartet. Angesichts der vielen Entführungen im Irak und der deutschen Beteiligung am Wiederaufbau des Landes, konnte die Entführung eines oder einer Deutschen dort nie ausgeschlossen werden. In der Theorie wurde ein solcher Fall längst durchgespielt – doch eben nicht in der Praxis.

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