Zeitung Heute : Gegen Mücken ist kein Kraut gewachsen

Gegen die sirrenden Plagegeister kennt fast jeder ein Rezept. Auch „Vertreiberpflanzen“ soll es geben: Lavendel und Tomate, Katzenminze und Eukalyptus, Walnuss und Geranie – sie alle sollen mit ihrem Duft Stechmücken von Garten oder Balkon fernhalten. Doch was ist dran an diesen Hausmitteln?

Professor Claus Zebitz vom Institut für Phytomedizin der Universität Hohenheim beantwortet die Frage kurz und enttäuschend: Gar nichts. „Dann dürfte man ja in der Provence mit all ihren Lavendelfeldern nie gestochen werden“, gibt er zu bedenken. Der Mückenforscher schwört auf repellente Substanzen aus der Apotheke. Das sind Stoffe, die abstoßend wirken ohne zu schädigen. Hier würden durchaus auch pflanzliche Wirkstoffe erfolgreich angewendet, zum Beispiel Zitroneninhaltsstoffe, „aber auf die Kraft der blühenden Pflanze zu bauen, das funktioniert leider nicht“, sagt er. Das beste Mittel gegen Mücken im Garten sei Vorbeugung, rät der Wissenschaftler.

Stechmücken, die wohl zu den anpassungsfähigsten und widerstandsfähigsten Lebewesen auf unserem Planeten gehören, verbringen ihre Jugendzeit im Wasser. Wer potenzielle Brutplätze wie Wassertonnen abdecke und im Gartenteich darauf achte, dass natürliche Feinde der Larven darin lebten, tue schon viel für einen Sommer ohne Stiche. Von den handelsüblichen „Mückenvertreibern“ hält Zebitz wenig. „Das Zeug hat schon einen Nutzen – aber nur für die Hersteller. Die Mücken lässt das unbeeindruckt“, lacht er. Insektenvernichter, die mit UV-Licht die Mücken anlocken und dann durch Stromschlag töten, sieht er besonders kritisch: „Die sind nicht selektiv, töten also auch Insekten, die wir als ,Nützlinge’ ansehen.“ Der Mückenpopulation werde man mit den Geräten nicht Herr, da sie, im Gegensatz zu vielen anderen Insektenarten, die den Geräten zum Opfer fielen, viel zu zahlreich seien.

Für die Wohnung empfiehlt der Experte Schutzgitter an Türen und Fenstern und Moskitonetze gegen die zart gebauten Insekten mit ihren stechend-saugenden Mundwerkzeugen. Textiler Schutz sei auch im Freien zu empfehlen: „Leichte Kleidung, wie das auch die Tropenbewohner machen, ist eine gute Mückenabwehr.“ Zudem schütze sie auch noch vor der Sonne. Das „süße Blut“, das einige Menschen angeblich besonders den Mücken ausliefere, gehöre übrigens ebenfalls in den Bereich der Legende, erklärt Zebitz. „Die Mücken werden von Schweiß angelockt, hauptsächlich von Buttersäure, aber auch von anderen Komponenten.“ Und da der Schweiß jedes Menschen anders zusammengesetzt ist, werden einige einfach eher zum Opfer der stechenden Mückendamen. Zumindest gegen den Juckreiz nach dem Stich könne man sich aber Hilfe aus dem Garten holen, sagt Zebitz: „Den Stich mit Zwiebel einzureiben hilft.“ Auch Essig habe eine lindernde Wirkung. ddp

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!