GEGEN RECHTS : Hunderte demonstrieren Unsichtbare Bedrohung

Innenminister: Die Attentate des Mohamed Merah erinnern Frankreich an ständige Terrorgefahr.

Frankfurt an der Oder - Rund 800 Menschen haben am Samstag gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremisten in Frankfurt an der Oder protestiert. Nach Angaben der Polizei kamen etwa 150 Rechtsextremisten an die polnische Grenze, darunter der frühere NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt. In den kommenden Wochen sind im Land Brandenburg mehrere Aufmärsche von Rechtsextremisten geplant, gegen die sich die Kommunen rüsten. epd

Paris - Der ältere Bruder des getöteten Attentäters von Toulouse gerät in das Visier der Ermittlungsbehörden. Das Mobiltelefon von Abdelkader Merah (29), des älteren Bruders, sei in der Nähe der jüdischen Schule gefunden worden, wo Mohamed Merah (23) einen Lehrer und drei Schüler erschossen hatte. Das berichtete die Zeitung „Le Parisien“. Die beiden Brüder hätten sich am Vorabend der Bluttat getroffen und gemeinsam zu Abend gegessen. Zudem soll Abdelkader den jüngeren Bruder zu einem Yamaha-Händler begleitet haben. Dort habe sich Mohamed erkundigt, wie die GPS-Ortung des Navigationsgerätes des gestohlenen Motorrollers, von dem aus er die Morde begangen hatte, ausgeschaltet werden könnte.

Der von der Polizei getötete Attentäter Mohamed Merah hatte zuvor behauptet, allein für den Mord an insgesamt sieben Menschen verantwortlich zu sein. Die Polizei prüft derzeit, ob Merah – wie er selbst behauptet hatte – Kontakte zur Terrororganisation Al Qaida besaß. In Frankreich wird über Helfer spekuliert, die den Täter mit mehreren Schusswaffen versorgt haben könnten.

Der ältere Bruder Abdelkader Merah und seine Frau wurden am Samstag zu Verhören nach Paris gebracht. Die Polizei vermutet dass der ältere Merah-Bruder, ein islamischer Fundamentalist, den jüngeren Mohamed Merah indoktriniert haben könnte. Abdelkader Merah sagte, er habe nichts von den Plänen seines Bruders gewusst, sei aber „stolz“ auf ihn. Die Mutter des Attentäters wurde zufolge am Freitagabend freigelassen.

Am Samstag wies die französische Regierung Kritik am Polizeieinsatz zur Festnahme des Serienmörders von Toulouse als parteipolitisch motiviert zurück. Er rufe alle Beteiligten zu Würde und Respekt auf, sagte Innenminister Claude Guéant der Tageszeitung „Le Figaro“ am Samstag. „Es ist inakzeptabel, die Effizienz der Polizei zu hinterfragen“, sagte der Minister. Guéant hatte den Einsatz beaufsichtigt. Das Drama sei eine Erinnerung an die Terrorgefahr, die immer noch über dem Land schwebe, sagte Guéant. Es sei für die Sicherheitskräfte sehr schwierig gewesen, die Handlungen dieses „einsamen Wolfs“ vorherzusagen.

Der Attentäter hatte sich 32 Stunden lang in seiner Wohnung verschanzt. Merah habe gesagt, er wolle den Märtyrertod, erzählte der Chef des Polizei-Einsatzkommandos, Amaury de Hautecloque, dem „Figaro“. „Er wollte zu Allah und seinen 72 Jungfrauen.“ Es habe keine andere Möglichkeit gegeben, als ihn zu töten. „Er kam raus wie der Teufel aus der Kiste.“

Direkt nach den Morden von Toulouse hatte die französische Regierung die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Am Samstag wurde die Warnstufe für den Südwesten Frankreichs wieder um eine Stufe gesenkt. dpa/AFP

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