Zeitung Heute : Gegenseitiges Misstrauen

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Bush senior war da, Bill Clinton war da, und auch George W. Bush wird einen Abstecher in die Normandie machen. Was das Brandenburger Tor in Deutschland ist, bedeutet Omaha Beach in Frankreich: Pflichtprogramm für jeden US-Präsidenten auf der Durchreise. Am kommenden Montag wird Bush einen Soldatenfriedhof unweit des Strandes aufsuchen, wo alliierte Truppen im Juni 1944 landeten.

Die gemeinsame Geschichte reicht allerdings nicht weit genug, um Differenzen im Verhältnis zwischen Paris und Washington völlig vergessen zu lassen. Im Nachrichtenmagazin „L’Express“ beschreibt Ex-Außenminister Hubert Védrine seinen Wunsch nach einem unverkrampften Verhältnis zwischen den übermächtigen USA und Frankreich: Man müsse, sagte Védrine vergangene Woche, den USA auch einmal „Nein“ sagen können, ohne damit gleich eine dramatische Reaktion auszulösen. Das gegenseitige Misstrauen brachte in der vergangenen Woche auch US-Außenminister Colin Powell in einem Interview mit der Zeitung „Libération“ zum Ausdruck: „Was immer wir auch machen, wir werden dafür kritisiert“, klagte Powell. Am Vorabend von Bushs Visite in der Normandie werden mehrere Tausend Globalisierungsgegner bei einer Demonstration in Caen erwartet.

Derzeit beschäftigen sich die Franzosen aber vor allem mit ihrer bevorstehenden Parlamentswahl und weniger mit Bush. Was nicht heißt, dass sich am traditionellen Amerika-Bild in Frankreich viel geändert hätte. Nach einer Umfrage des Institutes Sofres von 2000 empfinden die Franzosen überwiegend Sympathie für die USA. Zur Gesellschaft auf der anderen Seite des Atlantiks fällt ihnen aber vor allem dreierlei ein: Gewalt, Ungleichheit und Rassismus. Albrecht Meier

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