Zeitung Heute : Gegner ausschalten

Wie eine Mutter Berlin erleben kann

Heike Jahberg

Der weltbeste Schachspieler Wladimir Kramnik hat im Duell gegen den weltbesten Schach-Computer Deep Fritz unentschieden gespielt. Das ist bitter, weil der menschliche Geist der Maschine offenbar doch nicht überlegen ist. Andererseits mildert das Remis des Großmeisters den Schmerz über unsere täglichen Niederlagen. Wenn selbst Großmeister Kramnik den Computer nicht zu besiegen vermag, dann dürfen auch Kleinmeister wie Tom (sechs) und Linda (zwei) die Waffen strecken.

Beide spielen für ihr Leben gern Schach. Allerdings hat Linda noch nicht so genau verstanden, wie dieses Spiel eigentlich funktioniert. Auf ihrem hölzernen Schachbrett besuchen sich die Figuren hin und wieder und haben viel Spaß miteinander. Die Bauern reiten auf den Springern, die Läufer klettern auf die Türme, Damen und Könige wagen ein gemeinsames Tänzchen, und am Ende gehen alle schlafen.

Auch Tom hat das Ziel des königlichen Spiels noch nicht so ganz begriffen. Zwar weiß er, wie er die Figuren ziehen darf, aber dass er versuchen muss, seinen Gegner schachmatt zu setzen, ist unserem Sohn bis heute nicht klar geworden. Das nutzt sein Kontrahent, der Schach Champ, erbarmungslos aus.

Wie Deep Fritz ist auch der Schach Champ ein Computerprogramm. Anders als sein berühmter Artgenosse siegt und schweigt das Programm aber nicht, sondern gefällt sich darin, seinen Sparringspartner auch noch zu verhöhnen. Das mag daran liegen, dass der Vater der Software, ein österreichischer Großmeister namens Dr. Christian Donninger, ein wenig vorlaut ist.

Am Computer hört sich das so an:

Tom zieht.

Schach Champ: „Wos is dös für ane Eröffnung – griechisch-unorthodox?“

Tom weiß nicht, was griechisch-unorthodox ist, und zieht wieder.

Schach Champ: „Ich glaub, du hoast des Schachspieln in der Baumschuln g’lernt.“

Tom weiß zwar, was eine Baumschule ist, aber nicht, was der Mann meint, und zieht erneut.

Schach Champ: „Es gibt blöde und saublöde Züge. Blöd war dein Zug net.“

Tom ahnt, dass der Schach-Doktor nichts wirklich Freundliches gesagt hat, macht aber weiter.

Schach Champ: „Ich hab’ viele Trümpf, es ist matt in fünf“.

Tom ist nicht nach fünf Zügen matt, sondern nach dreien. Doch bevor sich Dr. Christian Donninger dem Siegestaumel hingeben kann, schlägt Tom zurück. Das Kind mag kein Schachgenie sein, mit Computern kennt sich unser Sohn dafür ganz gut aus. Und ehe sich’s der Schach Champ versieht, macht sein Gegner Zug für Zug wieder rückgängig – bis von der Partie im virtuellen Raum nichts mehr übrig ist. „Du musst leider gehen, ich will dich nicht mehr sehen“, sagt Tom und schaltet das Gerät aus. Servus, Champ.

Es gibt natürlich pädagogisch wertvollere Wege, das Schachspiel zu erlernen. Zum Beispiel mit dem hervorragenden Schachlernprogramm „Fritz & Fertig“ (36 Euro), das von der Firma Chessbase konzipiert ist, die auch Deep Fritz geschaffen hat.

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