Geheimdienste : Spion, der aus dem Mausklick kommt

Geheimdienste sind furchtbar geheim. Oder tun so. Jetzt wagt sich ausgerechnet der Mossad ins Internet und an die Öffentlichkeit. Unser Kolumnist Helmut Schümann spioniert mit auf der Suche nach Israels James Bond.

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Unsereins Normalbürger kennt die Herrschaften ja nicht persönlich. Oder nur wenige. Von den Herrschaften vom BND wissen wir nicht viel mehr, als dass sie alle Schlapphüte tragen, wenn sie im Einsatz sind. Gut, vom FBI und vom CIA wissen wir ein bisschen mehr, aber auch nur, weil die so versessen sind auf Publicity und dann in allen möglichen Filmen als die Guten rumturnen. Und wenn sie die Bösen sind, findet sich immer noch ein Guter, der die Sache aufklärt und anprangert. Auch vom NSA wissen wir jetzt ein wenig mehr, aber auch nur, weil es eben diesen einen Guten auch im Echtleben gibt, der alles ausplauderte und deswegen nicht mehr nach Hause darf. Am besten kennen wir noch die Arbeit vom MI6, weil der James dort arbeitet und uns immer mal wieder und seit Jahrzehnten Einblick gewährt ins Leben eines Spions. Man muss dafür „abenteuerlustig“ sein, „stabil, sensibel, unabhängig, furchtlos“ und „teamfähig“. Letzteres ist der James nur in Maßen, und nur dann, wenn das Team die richtigen Maße hat, aber das Zitierte ist auch keine Arbeitsplatzbeschreibung des MI6, sondern die Anforderungen des Mossad.

Wenn schon die eingangs erwähnten Nachrichtendienste furchtbar geheime Geheimdienste sind, was ist dann der Mossad? Der israelische Geheimdienst. Der ist obergeheim, sozusagen toppest secret.

„Sprechen Sie Chinesisch? Haben Sie die Gabe, geheimdienstliche Lagebeurteilungen zu formulieren, Positionspapiere über Länder zu schreiben? Dann sind Sie unser(e) Mann/Frau!“ So rekrutierte der Mossad vor zwei Jahren per Zeitungsannonce seine Spione. Und jetzt ist er aber auch schon mit der Zeit gegangen. Wer jetzt für den Mossad spionieren will, kann das per Mausklick. Lädt sich einfach ein paar Fragebögen runter, sieben an der Zahl, füllt sie wahrheitsgemäß aus und ist fast schon israelischer Top-Agent. Zur Warnung an eilfertige Nachrichtendienstler: Es gibt beim Mossad nicht nur den James- Job mit Top-Gehalt, Top-Autos, Top- Reisen, Top-Ladys und immer gutem Ausgang. Mehrheitlich sind wohl Verwaltungsarbeiten zu erledigen, und dann schaut man tagaus, tagein ins griesgrämige Gesicht der israelischen Antwort auf M. Damit das aber nicht sofort auffällt, haben die Werber des Mossad am Ende ihrer Webseite noch ein bisschen Geheimnisvolles und, uii, Gefährliches eingebaut. Man solle nach Ausfüllen des Fragebogens auf jeden Fall den Browserverlauf löschen. Weil, James liest mit.

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