Zeitung Heute : Geheime Praktiken des Tantra: Ein Auswahl ungewöhnlicher Bildbände, nicht nur für den Gabentisch

Stefan Eggert

Mehr als zweihundert Jahre blieb eines der größten Geheimnisse des tibetischen Buddhismus im Inneren des Lukhang-Tempels in Lhasa gewahrt. Die Darstellungen der geheimen Praktiken des Tantra waren bisher den Augen der Öffentlichkeit entzogen. Der Dalai Lama persönlich hat nun dem britischen Fotografen Thomas Laird gestattet, die Wunder des geheimen Tempels zu dokumentieren. Die farbenprächtigen Wandgemälde geben einen vortrefflichen Einblick in die Welt des Tantra, der höchsten Form der buddhistischen Meditation und dem sogenannten kurzen und geheimen Weg zum Nirvana. Der Kulturwissenschaftler Ian A. Baker erläutert die Bilder und Praktiken in verständlicher Weise, und der Dalai Lama gibt mit einer engagierten Einleitung einen persönlichen Einblick in die geheime Mystik des buddhistischen Tantra.

Ian A.Baker/Thomas Laird: Der geheime Tempel von Tibet - Eine mystische Reise in die Welt des Tantra. Bucher Verlag, München 2000, 216 Seiten, viele Abbildungen, 128 Mark.

So genau und fundiert wie mit dem Altertumswissenschaftler John V. Luce konnte man die "Ilias" und die "Odyssee" Homers bislang noch nicht verfolgen. Fast alle Orte der homerischen Epen lassen sich topografisch ziemlich exakt lokalisieren. John V. Luce lenkt den Leser buchstäblich mit der "Ilias" und der "Odyssee" in der Hand durch die archaischen Landschaften auf der Halbinsel Troja in der heutigen Türkei und auf die griechische Insel Ithaka, der Heimat des Helden Odysseus.

John V. Luce: Die Landschaften Homers. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2000. Aus dem Englischen von Karin Schuler. 48 Mark.

Eine ganz andere Spurensuche nach einem modernen Mythos unternimmt der Fotograf Gerd Kittel. Längst zerfällt sie in Einzelteile, die legendäre "Route 66" quer durch die USA, von Chicago im Osten des Landes ins westliche Kalifornien nach Santa Monica. Gerd Kittel dokumentiert in großartigen Farbbildern den schwankenden Mythos vom amerikanischen Traum, und der Journalist Freddy Langer bürstet in seinen lakonischen Kommentaren und Betrachtungen den Mythos des berühmtesten Highways von Freiheit und Abenteuer gegen den Strich. "Man kommt immer nur an, wo man längst gewesen ist", meint Langer. Da goutiert man doch lieber dieses Buch.

Gerd Kittel/Freddy Langer/Michael Koetzle: The Final Cut - Route 66. Knesebeck Verlag, München 2000, 160 Seiten, viele Abbildungen, 98 Mark.

Wo der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt wohnte, in Neuchâtel/Neuenburg in der französischen Schweiz, da lehnte der Architekt Mario Botta einen modernen Bau an das alte Wohnhaus des Schriftstellers an. Vierzig Jahre hatte Dürrenmatt hier gelebt und nicht nur geschrieben, sondern auch unendlich viel gezeichnet. Das im Herbst 2000 eröffnete "Centre Dürrenmatt" präsentiert diese künstlerische Werk. Mit Texten von Charlotte Kerr, der Frau des Meisters, von Dürrenmatt selbst, mit Zeichnungen von Mario Botta und Fotos von Thomas Flechtner liegt eine sehens- und lesenswerte Gebäudemonografie vor, in der Architektur und Landschaft beziehungsreich verbunden sind.

Peter Edwin Erisman (Herausgeber): Mario Botta - Centre Dürrenmatt Neuchâtel. Birkhäuser Verlag, Basel-Berlin-Boston 2000, 176 Seiten, viele Abbildungen, 68 Mark.

Die politischen und kriegerischen Verwicklungen des Libanon in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten lassen manchmal in Vergessenheit geraten, dass es einen ganz normalen Alltag in diesem Land am Rande Israels und Syriens gibt. Selbst eine der ältesten Kulturlandschaften der Welt verschwand aus der "Tagespolitik" und damit fast vollständig aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. Der Journalist Michael Obert hat nun die Kunst und die Landschaft des Libanon, aber auch den Alltag zwischen Religion und Küche, ländlicher Abgeschiedenheit und städtischem Wiederaufbau in Beirut fotografiert und beschrieben. Das Land zwischen Tripolis und Tyros, Baalbek und Beirut wird in diesem Bildband in seiner ganzen kulturellen und landschaftlichen Vielfalt erkennbar.

Michael Obert: Libanon - Kunst und Kultur. Belser Verlag, Stuttgart 2000, 128 Seiten, viele Abbildungen, 68 Mark.

Der Fotograf Tom Jacobi und sein Vater Claus sind 144 000 Kilometer um die Erde gereist, um besonders eindringliche und augenfällige Stätten einzufangen, an denen "Gott" gehuldigt wurde und wird. Dabei handelt es sich natürlich nicht nur um den christlichen Gott, der rund um den Globus zu finden ist, sondern auch um den buddhistischen, den hinduistischen, den islamischen Gott, die Götter der Inkas, der Indianer und des alten Delphi oder den Göttern auf der Osterinsel. Die persönliche Auswahl der wunderbaren Wohnorte Gottes ist in diesem Band ästhetisch gekonnt abgelichtet und klug kommentiert.

Claus und Tom Jacobi: Wo Gott wohnt - Mythische Stätten der Menschheit. Hirmer Verlag, München 2000, 288 Seiten, viele Abbildungen, 148 Mark.

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