Zeitung Heute : Geheimnisse aus der Hasenapotheke

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Gegen viele Gebrechen ist ein Kraut gewachsen. Das Phänomen ist Jägern seit langem als „Hasenapotheke" bekannt. Die meisten Wildkräuter gedeihen am besten am Waldrand. Dorthin zieht es daher auch die Hasen. Vor allem, wenn sie wilden Majoran, Pfefferminze und Kamille mümmeln wollen. Und dorthin zieht es folglich auch die Jäger, wenn sie zu einem Hasenbraten kommen wollen. Doch das gelingt ihnen schon seit einiger Zeit immer seltener. Nicht etwa, weil die Jäger daneben schießen, sondern weil sich die begehrten Hasentiere neuerdings rar machen.

Mit den Heilkräutern des Waldrandes, so vermutet jetzt der Freiburger Forstzoologe Michael Boppré, erwehren sich Hasen ihrer lästigen Magen- und Darmparasiten.

Die moderne Landwirtschaft allerdings setzt diesem Kräutergarten der Hasen mit Giften und Dünger derart zu, dass die Tiere vielerorts ihre Naturapotheke verlieren und so zugleich auch einen natürlichen Schutz gegen Parasiten einbüßen. Boppré sieht deshalb auch im Verschwinden der Hasen-Heilkräuter - und nicht etwa, wie allgemein vermutet, im sich abzeichnenden Klimawandel - den Grund für den derzeit bedenklichen Rückgang der Hasentiere.

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