Zeitung Heute : Gelbfieber-Tod läßt das Interesse für diesen Zweig der Medizin steigen

Auch erfahrene Reisende unterschätzen oft die Gefahren dieser Krankheit

Nach dem Gelbfieber-Tod eines Kameramanns Anfang August ist das Interesse an Informationen zur Reisemedizin immens gestiegen. Im August hätten Ärzte bei der Reisemedizinberatung einen Zuwachs von 30 bis 100 Prozent verzeichnet, sagt Nikolaus Frühwein, Präsident der Bayerischen Gesellschaft für Tropenmedizin. "So tragisch der Todesfall auch ist, ich möchte nicht wissen, wie viele schwere Erkrankungen er verhindert hat", betont er.

Auch erfahrene Reisende unterschätzten die Gefahren von Tropenkrankheiten, unterstreicht Gerhard Dobler, ebenfalls von der Gesellschaft für Tropenmedizin. Der Kameramann sei nicht gegen Gelbfieber geimpft gewesen, obwohl die Krankheit in Westafrika häufig vorkomme. In Nigeria zum Beispiel erkrankten nach Schätzungen des dortigen Gesundheitsministeriums rund 200 000 Menschen jährlich daran. Der Kameramann Olaf Ullmann war am 6. August in Berlin nach einem Aufenthalt in Westafrika an Gelbfieber gestorben.

Viele Probleme bereitet den Tropen- und Reisemedizinern die Malaria. Hans Nothdurft, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Malaria der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit, schätzt die Zahl der jährlichen Erkrankungsfälle weltweit auf 500 Millionen. In Deutschland würden jährlich rund 1000 Fälle gemeldet, doch sei die Dunkelziffer hoch. Bei rund 70 Prozent der Malaria-Fälle handele es sich um die so genannte Malaria tropica, die in drei Prozent der Fälle tödlich verlaufe.

Meistens infizierten sich nur Menschen, die Medikamente falsch eingenommen hätten, so Nothdurft. Bei einer Erkrankung sei es wichtig, dass die Patienten noch am ersten oder zweiten Tag nach Auftreten der Symptome behandelt würden. Daher müsse die Kompetenz der Hausärzte gestärkt werden, damit sie bei einem Verdacht sofort reagierten. "Niemand muss an Malaria sterben", betont Nothdurft. In allen tödlich verlaufenen Fällen sei die Krankheit zu spät diagnostiziert worden.

Dobler rät, sich vor Fernreisen auch gegen Masern impfen zu lassen. Immer wieder schleppten Touristen die gefährlichen Erreger aus den Tropen ein und lösten damit manchmal Epidemien aus. Jeder tausendste Fall verlaufe wegen Komplikationen wie Hirnhaut- oder Lungenentzündung tödlich, erklärt Dobler. Die USA gälten wegen der dort üblichen Impfung dagegen bereits als "masernfrei".

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