Zeitung Heute : Geld auf Rezept

Cordula Eubel

Die Firma Pfizer will gegen die Festpreise bei Medikamenten klagen. Wenn das zum Erfolg führt, was kostet das die Patienten?

Der Pharmakonzern Pfizer geht auf Konfrontationskurs: Nach einer umstrittenen Anzeigenkampagne will das Unternehmen nun gegen die gesetzlichen Krankenkassen klagen. In dem Streit geht es um den Cholesterinsenker Sortis, ein Medikament, mit dem Pfizer im Jahr weltweit einen Umsatz von rund zehn Milliarden Dollar macht.

Pfizer wehrt sich gegen ein zentrales Instrument der Politik, mit dem die Medikamentenkosten kontrolliert werden sollen: die so genannten Festbeträge. Mit der Gesundheitsreform werden seit diesem Jahr erstmals auch patentgeschützte Arzneimittel den Obergrenzen unterworfen. Die Krankenkassen erstatten dem Patienten seine Ausgaben bis zu diesem Festbetrag. Festgelegt wird er vom gemeinsamen Bundesausschuss, in dem Ärzte, Krankenkassen und seit kurzem auch Patientenvertreter sitzen. In einer Gruppe sind Medikamente mit vergleichbaren Wirkstoffen enthalten.

Solch einen Festbetrag hat der Ausschuss kürzlich auch für die Statine beschlossen, mit denen Cholesterinwerte gesenkt werden. Pfizer aber will den Preis für Sortis nicht auf das Niveau der Festbeträge absenken. Das Unternehmen argumentiert, dass Sortis besser sei als andere Präparate, und deswegen auch nicht ersetzbar. Das bestreitet Peter Sawicki, Leiter des neuen Qualitätsinstituts im Gesundheitswesen, das Medikamente nach ihrem Nutzen beurteilen soll. Es gebe keinen Nachweis darauf, dass Sortis Herzinfarkte und Schlaganfälle besser verhindere als andere Statine.

Für Pfizer geht es um viel Geld. Schließlich gelten die Preise auf dem deutschen Medikamentenmarkt als Referenzwert für andere europäische Länder. Daher will das Unternehmen den juristischen Weg gehen. Würde der Konzern sich mit seiner Klage gegen den Festbetrag vor dem Sozialgericht durchsetzen, dann könnte das eine Kettenreaktion provozieren. Denn auch andere Pharmaunternehmen, die sich bislang in der Auseinandersetzung eher zurückgehalten haben, würden womöglich dem Beispiel folgen. Dem Gesundheitswesen könnte dann ein zentrales Instrument verloren gehen, um die Ausgaben für Arzneimittel zu steuern. Durch Festbeträge werden jährlich Milliardensummen eingespart. Letztlich würden also die Versicherten zahlen, nämlich durch höhere Krankenkassenbeiträge.

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