Zeitung Heute : Geld aus dem Land der aufgehenden Sonne

Max Herbst

Niemand zahlt gerne viel Zinsen für sein Baugeld. Pfiffige Häuslebauer glauben eine gute Alternative zu den hiesigen Kreditgebern gefunden zu haben: Anbieter von Darlehen in fremden Währungen. Baugeld aus Japan kostet bei einjähriger Laufzeit gerade mal 2,7 Prozent Zinsen inklusive aller Nebenkosten. Doch das äußerst verlockende Angebot birgt große Gefahren, und ist deshalb besonders Haushalten mit geringem finanziellen Spielraum nicht zu empfehlen.

Denn die Kehrseite der Medaille von günstigen Yen-Darlehen liegt im Währungsrisiko. Der Kreditnehmer muss seine Zinsen in der japanischen Währung zahlen. Und das kann gefährlich werden: Steigt der Wert des Yens, dann zahlt der Kunde mehr Euro für die Zinsen, als er bei Abschluss des Vertrages errechnet hatte. Wo Risiken sind, gibt es aber auch Chancen: In den vergangenen zwei Jahren fiel der Yen im Vergleich zum Euro immer tiefer. So mussten Immobilien-Käufer mit Yen-Finanzierungen immer weniger Euro für ihre Kredit-Zinsen aufbringen. Doch wie lange es bei diesem günstigen Wechselkurs bleibt, lässt sich natürlich nicht voraussagen.

Eine weitere Besonderheit dieser Finanzierung, liegt darin, dass Yen-Kredite nicht getilgt werden. Stattdessen verlangen die Banken Kapitallebensversicherungen oder Aktienfonds als Ersatz. Um das Währungsrisiko abzufedern, muss der Kreditnehmer mindestens rund vier Prozent der Kreditsumme jährlich einzahlen. Dies erhöht die finanzielle Last des Schuldners.

Zu den Anbietern von Krediten in Fremdwährungen zählt die Dresdner Bank. Der zu finanzierende Mindestbetrag muss hier über 250 000 Euro liegen. Bei der Deutschen Bank beträgt diese Grenze sogar 500 000 Euro. Da die Geschäftsbanken vor der Vergabe von Fremdwährungskrediten meistens hohe Hürden aufbauen, kommt man bei großen Finanzierungsvermittlern wie der Intercapital schneller und meist billiger zum Zuge. Deren Angebote kann jeder Kreditnehmer im Internet abrufen.

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