Zeitung Heute : Geld-Boten: Hoch-Zeit für die rollenden Tresore

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Seit dem 1. September läuft in ganz Europa die Auslieferung des Euros, allein in Deutschland müssen bis zum Jahresende 136,8 Milliarden in die Kassen von Banken und Geschäften gebracht werden. Zurück kommen im Gegenzug 265 Milliarden Mark in gebrauchten Scheinen und Münzen. Aus Furcht vor kriminellen Übergriffen wird das Geld mit "Panzerschränken auf Rädern" transportiert. Geldtransporteure verzeichnen einen steilen Umsatzanstieg und bei den Autoherstellern sowie den Zulieferern wurden jetzt mehr Fahrzeuge gepanzert als je zuvor.

Aufsehen erregen sicherlich die über 1000 offiziellen Großtransporte der Bundesbank: Vorn und hinten ein schwer gepanzerter Geländewagen der Polizei, und in der Mitte ein riesiger Lkw, der schon auf den ersten Blick signalisiert, dass ihm nur wenig anzuhaben ist. Und diese Transporte werden von der Polizei nicht nur am Boden, sondern auch aus der Luft intensiv verfolgt. Viel mehr Sorgen machen sich die Behörden jedoch über den kleinen Verteilerverkehr, den private Unternehmen organisieren.

Über 150 solcher Firmen sind in der Bundesvereinigung der Geld- und Werttransportunternehmen (BDGW) mit Sitz in Bad Homburg zusammengeschlossen. Zwar haben die BDGW-Mitglieder ihren Fuhrpark in den letzten zehn Jahren bereits von 900 auf 2100 Fahrzeuge aufgestockt, doch statt eines Tages benötigen sie für das "Frontloading" rund 100 Tage, so dass täglich bis zu 4700 Touren gefahren werden.

Für ihre Sicherheit sorgen etwa zwölf spezialisierte Karosseriebauer in Deutschland: Mit zentimeterdicken Panzerplatten, hochfesten Fasermatten, Spezialglas und Notlaufreifen sind die umgebauten VW Transporter, Mercedes Vito oder Sprinter und Ford Transits in aller Regel absolut schusssicher. Zudem verhindern intelligente Zugangssysteme mit doppelten Türen und Wertschleusen den direkten Zugriff aufs Innenleben.

Dazu kommen Raffinessen wie Vernebelungsanlagen im Tresorraum oder eine codierte Antriebstechnik, bei der die Kraftstoffzufuhr von der Zentrale aus unterbrochen werden kann. Die Türen öffnen im Notfall erst, wenn die Einsatzleitung den Transponder per Funk wieder zurücksetzt. Zudem haben fast alle Werttransporter einen GPS-gekoppelten Sender, mit dem sie vom Bildschirm aus geortet werden können.

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