Zeitung Heute : Geld, Geld, Geld - "Focus" legt sich heute einen Ableger zu

Ulrike Simon

Sieben Jahre hat es gedauert, bis sich Helmut Markwort wieder dazu hinreißen ließ, seinem Verleger Hubert Burda eine neue Zeitschrift zu schenken. "Focus Money" heißt das Blatt, ist entstanden aus dem Wirtschaftsressort des Muttermagazins, und liegt heute erstmals am Kiosk. Für 5 Mark 50 bekommt der Leser 138 Seiten, gefüllt mit farbigen Infografiken, Charts und Tabellen über die T-Online-Aktie ("Wie Sie zu Neuemissionen kommen"), Kursverdoppelungen durch E-Commerce, Steuerhinterziehung, die Börse Moskau oder Europas beste Wachstumswerte. Unternehmen, Geldanlage, Steuern, Wirtschaftspolitik und Märkte sind die Themenbereiche der diversen "Money"-Rubriken. Hinzu kommt der sehr umfangreiche Kursteil. Dabei geht es "Focus Money" mehr als allen anderen Wirtschaftstiteln nur um das eine: Wie kann der Leser aus diesen Informationen Geld machen? Die restlichen 114 Seiten sind für Anzeigen reserviert, schließlich sollen die Leser ihr Geld nicht nur horten, sondern auch ausgeben. 6000 Abonnenten zählt das wöchentliche "Shareholder-Magazin" laut Verlag schon vor dem offiziellen Start, hinzu kommen rund 25 000 Exemplare, die ab sofort an die Fluggäste von Lufthansa und Deutscher BA verschenkt werden.

Für einen Finanztitel aus dem Hause Burda wird es auch Zeit: Das "Handelsblatt" hat sich bereits optisch aufgefrischt, die deutsche "Financial Times" ist seit 21. Februar auf dem Markt, "Capital" erscheint mittlerweile 14-täglich statt monatlich, die "Wirtschaftswoche" hat sich dem Markt angepasst, auch das "Manager Magazin" legte sanft Hand an, und ganz neu am Medienhimmel sind die "Telebörse" und "Net Business". Angestachelt wurden sie allesamt nicht zuletzt durch den rasenden Aufstieg von "Börse Online", auf dessen Hausse die Verlage schon früh mit den schon etwas älteren Neugründungen "Geldidee" und "Euro am Sonntag" reagiert hatten. Und nun also kommt Markwort und ruft mit "Focus Money" den Volkssport Geldanlegen aus - immerhin noch bevor am 13. April "Aktien Research", im Sommer "Finance" und noch in diesem Jahr "Business 2.0" erscheint.

Wem jetzt ganz schummrig geworden ist, kann sich leicht vorstellen, welches Tempo in den vergangenen Monaten das Personalkarrussell um gute Journalisten aufgenommen hat, wie groß das Gedränge am Kioskregal ist (vor allem rund um die Kasse) und welchen Pegel das Werbegetöse erreicht hat beziehungsweise noch erreichen wird.

"Ruhm, Spaß und Geld" ist nicht nur das Arbeitsprinzip von Helmut Markwort. Vor allem auf das Geld haben es mit ihm alle anderen Blattmacher mitsamt deren Verlagen abgesehen. Manche mit mehr, manche mit weniger Erfolg. In einer Zeit, in der immer mehr Titel um die gleich bleibende Zahl von Leser buhlen, wird das Anzeigengeschäft zunehmend wichtig. Und das boomt derzeit, parallel zur Entwicklung an der Börse. Eine Firma, die sich AG nennen will, muss sich transparent und börsenfreundlich geben. Eine Firma, die ihren Wert steigern will, muss die Aktionäre bei Laune halten. Und das funktioniert vor allem über Werbung, man denke nur an die Schlacht um Mannesmann, an den derzeit überall herum geisternden Robert T. Online und andere. Auch bei all den Fusionen, die sich die Wert steigernden Unternehmen leisten können, wird dem gemeinen Profi ganz schwindelig, vom Laien, der sein Geld auch gern vermehren möchte, ganz zu schweigen.

"Focus Money" wird sich als "das moderne Wirtschaftsmagazin" Generalisten und Aktien-Freunden anpreisen. Mindestens 80 000 willige Käufer sollen sich jede Woche finden. Wer Markwort kennt, kann sich ausmalen, dass die 80 000 Exemplare deutlich unter seinen Zielvorstellungen liegen dürften. Er selbst wird "nur" als Herausgeber des Blattes herrschen. Chefredakteur ist Manfred Schumacher, von Beginn an "Focus"-Bordmitglied. Ihm wird obendrein nachgesagt, in all den Jahren der Zusammenarbeit viel Ähnlichkeit mit Markwort bekommen zu haben. Nicht "Fakten, Fakten, Fakten" wird sein Motto lauten, sondern "Fakten machen Geld", gekoppelt mit dem steten Hinweis, dass Reichsein eine Lust ist.

Geld-Macht-Erotik, das alte Spiel will auch "Focus Money" spielen. Und bald wird es wieder damit losgehen, dass sich die Verlage gegenseitig unterstellen, künstlich Auflage zu pushen, wettbewerbswidrige Marketing-Aktionen zu veranstalten, und wer weiß, was noch alles.

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