Zeitung Heute : Geld gibt es genug – man muss es nur treffen

Venture Capital gibt Unternehmen die Möglichkeit zu expandieren

Daniel Rhee-Piening

Es ist gut ein Jahr her, da wurden sie als „Heuschrecken“ gebrandmarkt, jüngst kauften sie sich bei der Deutschen Telekom ein. Die großen Fonds, die Private Equity oder Venture Capital zur Verfügung stellen, sind an vielen Unternehmen in Deutschland beteiligt oder besitzen Tausende von Wohnungen.

Unter klassischem Privat Equity versteht man Unternehmensbeteiligungen, die nicht an der Börse gehandelt werden. Untergruppen sind Seed Capital (für Unternehmen in der Gründungsphase) und Venture Capital (Wagniskapital).

Vor allem Versicherungen, Banken und große Fonds betreiben dieses Geschäft. Weltweit gibt es weit mehr als 600 Private-Equity-Fonds, deren Volumen sich auf etwa 230 Milliarden Euro beläuft.

Darunter auch eine Vielzahl von kleineren, die mit Venture- oder Seed-Capital Unternehmen in der Frühphase oder bei der Gründung helfen. In Deutschland fängt dies mit einem kleinen Fonds in Hamburg an, dessen Volumen gerade einmal ein paar Millionen Euro beträgt.

Und das Geschäft boomt – glaubt man zumindest dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) in Berlin. „In den Jahren 2002 bis 2004 hatten wir noch Schwierigkeiten, genügend Geld einzusammeln“, sagt Holger Frommann, Geschäftsführer des BVK. Nach dem Platzen der Internetblase, dem Niedergang des Neuen Marktes waren die Investoren vorsichtiger geworden. Hinzu kamen steuerliche Probleme, die insbesondere Ausländer verschreckten.

Doch inzwischen hat sich das Bild geändert. In Deutschland sammelten die Initiatoren von Private-Equity-Fonds im vergangenen Jahr rund 1,38 Milliarden Euro ein, eine Steigerung um 679 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Und in den ersten Monaten dieses Jahres ist die Tendenz weiter steigend.

Investiert haben die deutschen Gesellschaften im vergangenen Jahr insgesamt rund drei Milliarden Euro in 983 Unternehmen. Damit schwächte sich das Investitionsvolumen gegenüber dem Vorjahr um immerhin 19 Prozent ab. Doch die Entwicklung verlief differenziert. Insbesondere die Investitionen der Private- Equity-Fonds gingen gegenüber dem Vorjahr um gut ein Drittel auf rund 1,8 Milliarden Euro zurück. „Wenn ein paar große Unternehmensveräußerungen fehlen, schlägt sich das sofort deutlich in der Statistik nieder“, sagt Frommann. Venture-Capital-Investitionen stiegen dagegen leicht von 1,1 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden Euro.

Doch von einstigen Rekorden ist der Markt noch weit entfernt. Im Jahr 2000 erreichten allein die Venture-Capital-Investitionen ein Volumen von 3,7 Milliarden Euro, wovon 1,6 Milliarden Euro auf Investitionen auf Seed- und Start-upUnternehmen entfielen. Doch Holger Frommann sieht wieder Licht. In Zeiten schwieriger werdender Kreditfinanzierungen und den damit einhergehenden Umbrüchen in der Unternehmensfinanzierung haben immer mehr Unternehmer Beteiligungskapital als attraktive Alternative zu traditionellen Finanzierungsformen erkannt, sagt er. Und auch die Venture-Capital- Gesellschaften haben die Zeit genutzt. Sie haben neue Mittel eingeworben. Jetzt verfügen sie über genügend finanzielle Ressourcen um junge, nicht nur technologieorientierte, Unternehmen zu unterstützen.

Doch damit ist so weit nur die offizielle Seite beleuchtet. Daneben gibt es eine Vielzahl – auch privater – Gesellschaften, die bisher noch in keiner Statistik auftauchen. Man muss nur Kontakte knüpfen – zum Beispiel auf einem Event in Adlershof.

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