Zeitung Heute : Geldmuseum ohne Wärter

GUNTER BECKER

Bei allen Museumsneubauten der Hauptstadt ist einer fast unbemerkt geblieben.Vollkommen unbeeindruckt von Etatkürzungen und architektonischen Querelen in Berlin ist das MoneyMuseum gebaut worden.Am Donnerstag wird es mit einem Event an der Gedächtniskirche der Öffentlichkeit vorgestellt.Und trotzdem werden Berlin-Besucher es zukünftig vergeblich auf dem Stadtplan suchen.Das Geldmuseum hat eine Adresse im Cyberspace : www.moneymuseum.com - es existiert nur im World Wide Web.

Die Idee zum Moneymuseum hatte der Schweizer Finanzmanager Jürg Conzett.Er sammelt Münzen nach einem ganz speziellen System und mit einer ganz gezielten Message."Conzett konzentriert sich beim Sammeln auf die Leitwährungen der Weltgeschichte.Mit dem MoneyMuseum will er erreichen, daß sich die Besucher mit der Rolle des Geldes in der Gesellschaft und für sich persönlich auseinandersetzen", sagt Guido Lütsch, Geschäftsführer der Berliner Online-Agentur Internet Index GmbH, die für den Museumsbau verantwortlich ist - sozusagen als ausführender Bauträger.

Lütsch hatte Conzett auf einer Uhrenmesse in Basel kennengelernt.Und weil bei virtuellen Bauprojekten Entfernungen keine Rolle spielen, ging der Auftrag zur Einrichtung des MoneyMuseums nach Berlin.

Natürlich ist die deutsch-schweizerische Website nicht die erste Online-Version einer bedeutenden Münzsammlung."Es gibt bereits einige Münzsammlungen, die im Internet ausgestellt werden.Eine davon ist die des British Museum," sagt Guido Lütsch.

Auch in Thailand existiertein großes, virtuelles Geldmuseum.Neu beim Moneymuseum im Netz ist das Ordnungsprinzip der Sammlung.Das große Thema Geld soll dort in historischen, wissenschaftlichen, teilweise aber auch spielerischen und assoziativen Bezügen aufgearbeitet werden.

Als Führer durch die Website fungiert die fiktive Person eines altertümlichen Marktbesuchers namens "Kishara".Mit ihm erlebt und klickt sich der Benutzer durch die Kulturgeschichte des Geldes von der Römer- bis zur Jetztzeit.Kurze, prägnante, anschauliche Texte, die dem geldlinteressierten Leser am Monitor entgegenkommen, erläutern geschichtliche und etymologische Facts und weisen den Neuling in die Numismatik, die Münzkunde, ein.

Drei Eingänge führen den Besucher der Homepage in das Erdgeschoß des virtuellen Gebäudes.Jeder Zugang ist mit einem anderen Leitmotiv versehen: "Geld bewegen", "Geld lieben" und "Geld machen".Ganz praktisch geht es bei letzterem etwa um die Geschichte der Münzprägung, um die Theorie und Arbeitsweise der Bank, oder um die ästhetischen Konzepte bei der Gestaltung von Zahlungsmitteln.

"Geld lieben" handelt von der Leidenschaft des Sammlers und Forschers.Berühmte Persönlichkeiten aus der Numismatik werden vorgestellt.In seiner Abteilung "Versuchung" läßt das MoneyMuseum noch einmal die großen Räuber- und Fälscherfiguren der Weltgeschichte Revue passieren.Unter dem Stichwort "Gier" findet sich auch Dagobert Duck.

Für die Produzenten ist es der erste Teil eines integrierten Ausstellungskonzepts."Das MoneyMuseum im Netz soll später auch Bestandteil einer Wanderausstellung werden, in der Conzett und andere Sammler ihre Sammlungen präsentieren werden", sagt Lütsch.Über 600 Münzen hat der Schweizer Unternehmer bereits zusammengetragen.Die sollen irgendwann, gemeinsam mit anderen Sammlungen, in einem jetzt noch unbegehbaren zweiten Geschoß des Web-Museums ausgestellt werden.Zeit für einen Anbau ohne Baugenehmigung.

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