Zeitung Heute : Geliebter Quälgeist

Das junge Deutschland tanzt nach seiner Pfeife. Detlef D! Soost ist Drillmeister der Popsternchen und TV-Dauergast. Das war früher mal ganz anders. „Ich habe mich gefühlt“, sagt er , „wie Abschaum“

Jana Simon

Detlef Soost, genannt D! mit Ausrufezeichen, sitzt im Hattinger Parkhotel und legt Wurst auf ein Brötchen. Es ist halb elf morgens. D!s Augen sind gerötet, die Nase läuft, Schnupfen vom ständigen Trainingsschweiß und der kalten Luft der Klimaanlagen, die den Körper verwirren. Jedes Wochenende ist D! in einer anderen Stadt, lehrt Teenager zu „tanzen wie die Popstars“. Er ist sehr groß, trägt einen roten Pullover, mächtige Arme wölben sich darunter. Für einen Tänzer wirkt er massig. Sehr langsam gießt D! Kaffee in eine Tasse. Seine Augenlider kämpfen gegen die Schwerkraft.

In diesem Augenblick betritt die Hotelchefin, eine ältere Blondine mit toupierten Haaren, den Speisesaal, steuert auf D! zu, tätschelt ihm den Rücken. Er schnellt in die Höhe, die Muskeln angespannt. Energie durch Aufmerksamkeit. Sie nennt ihn „mein Schatz“, D! berührt sie kurz am Arm. Viele geben ihm Kosenamen, besonders Frauen. Sie hat ihm ihr Leben erzählt, letzte Nacht. D! hat sich alles angehört. Auch wenn er erschöpft ist, bleibt er aufmerksam, lächelt, nur die Bewegungen werden fahriger. Wenn er für sich ist, richtet sich sein Blick nach innen, die Schultern stürzen nach vorn. Der Riese implodiert.

Nach dem Frühstück wartet der nächste Tanzworkshop. Wieder Menschen, Menschen, Menschen. In einer Woche trifft er an die 300. Und jeder will Aufmerksamkeit, Anweisungen, Ratschläge. Gestern war D! in Essen, da musste er kurz ausrasten, die Tanzschüler mochten sich einfach nicht so aufstellen, wie er es wollte. Durch Härte ist er bekannt geworden. „Drillmeister“ und „Feldwebel“ sind Etiketten, die sich über das Fernsehen an ihn geheftet haben. Er saß in der Jury von „Popstars“, hat die No Angels auf Erfolg trainiert, die Bands Bro’Sis, Preluders, Overground mit ausgewählt, Jeanette Biedermann und Sarah Connor geholfen. Er ist der Popsternchen-Quäler, sein Tanzstil eine Mischung aus Jazz-, Streetdance und Hiphop, wie er in den bunten Videos auf MTV gezeigt wird. Inzwischen besitzt er eine Tanzschule in Berlin, die Choreografien an 120 andere Schulen in Deutschland verkauft. Das junge Deutschland tanzt nach D!.

Gleichzeitig tritt er in „Die Supergärtner“, „Die Hausbaupromis“ und „Die Alm!“ auf. Als könne er keine Sendung auslassen, hetzt er durch die Shows der Republik. Sein Gesicht, seine Schritte und seine Zornesausbrüche hat er so oft im Fernsehen gezeigt, dass viele denken, sie würden ihn kennen. Was treibt einen wie Detlef D! Soost? „Fernsehen hat Suchtpotenzial“, sagt er. Zu Beginn habe er sich ständig gefragt: „Bin ich schon am Abstieg, oder ist alles noch okay?“ Seine Freundin Ines, die ihn seit 13 Jahren kennt, sagt, er wache jeden Morgen mit dem Gefühl auf, alles könnte vorbei sein. Dieses Gefühl lässt D! zwei Wochen auf eine Alm ziehen und Gülle schaufeln, lässt ihn fremde Gärten umgraben und Häuser bauen, die keiner braucht. Sein Gesicht bleibt dadurch dauerpräsent. Die Furcht vor dem Absturz ist mächtig, weil D! den Abgrund schon kennt. Und einmal hat das Fernsehen ihm sogar eine neue Familie geschenkt. Im Januar erscheint seine Biografie bei Rowohlt unter dem Titel: „Heimkind, Neger, Pionier“. Nun also Hattingen.

Halb zwölf. Eine junge blonde Frau nähert sich D!, sie ist die Leiterin des Tanzstudios, für das er gleich den Workshop geben wird. Ihre Stimme füllt den Raum, schließlich bestellt sie ein Glas Sekt. Ihre Stimme erreicht den Höhepunkt: „Super“, dass D! da sei, und die Hotelchefin sei ja auch „so süß“. Die meisten sind auf eine Art nett zu D!, von der man ahnt, dass sie im nächsten Augenblick umschlagen kann. „Richtig doll falsch“ nennt D! das Geschäft. Und ist doch jedesmal wieder getroffen, wenn er es bemerkt. Tänzer, die er ausgebildet hat, warben kühl seine Kunden ab. Eine Managerin der Band Overground, die ihn erst mit Lobeshymnen lockte, bevorzugte kurz darauf einen anderen Choreografen. D!s Schultern beben. Er hat sowohl die Bewunderung als auch die Zurückweisung sehr ernst genommen. Er nimmt vieles sehr ernst. D! kann furchtbar nerven. Auf der „Alm“ beschimpfte er eine Mitbewohnerin, weil sie rauchte, obwohl es verboten war. Bei „Popstars“ brüllte er schon am ersten Tag, als ein Mädchen nicht richtig trainierte. Die Quote stieg. So wurde aus Detlef Soost – D!, das geliebte Arschloch. Seine Emotionen bringen Cash.

Bei der nächsten „Popstar“-Staffel in diesem Herbst wird er nicht mehr in der Jury sitzen. „Die Haltbarkeitsdauer der Stars ist inzwischen zu kurz“, sagt er. Es gibt zu viele von ihnen. Bei den No Angels kamen Tausende zu den Konzerten, bei Bro’Sis noch wenige Tausend und bei Preluders und Overground nur noch Hunderte. Elli, die Siegerin von „Deutschland sucht den Superstar“, bekommt wahrscheinlich nicht einmal mehr ein eigenes Album. Die Teenagerträume enden früh. „Ich halte das psychisch nicht mehr durch“, sagt D!. Man könnte sagen, die Jugendlichen tun ihm Leid, auch wenn er das nie so ausdrücken würde.

Kurz vor zwölf. Zeit zum Aufbruch. D! umarmt die Hotelchefin. Zwei Jungen warten in der Lobby auf ein Autogramm. „Und immer schön fernsehen, wenn ich komme“, sagt D! und verschwindet im Auto.

Vor der Tanzhalle in Hattingen stehen ein paar Teenies, ihre Hosen sitzen knapp über dem Schambein. „Hey D!, heizt du uns richtig ein?“, ruft ein Mädchen um die 14. „Na ja, ich mache einen Workshop mit euch!“, antwortet D!. Hinter der Bühne wartet eine Torte auf ihn, vor kurzem ist er 34 geworden. Er pustet die Kerzen aus und steigt auf die Bühne. „Wenn ich einen sehe, der nicht richtig Gas gibt, schmeiße ich ihn raus“, ruft er den etwa 70 Teenagern zu. Grinsen im Publikum. Das wird von ihm erwartet: D! in der Rolle des unbarmherzigen Antreibers. Die Musik beginnt zu hämmern. Das Kraftprogramm setzt ein, Sit-ups, Liegestütze, die Teenager keuchen. Wenn D! jemanden beim Ausruhen beobachtet, dann scheint sich sein Brustkorb zu blähen, der Kopf schiebt sich in die Höhe. „Wieso übst du nicht?“, fragt er ein Mädchen. Sie sollte jetzt schweigen, der Ausbruch ist absehbar. Sie murmelt doch etwas, und D! wird laut. Vorher beim Frühstück hat er gesagt, er hätte sich früher solche Workshops gewünscht. Die, die sich heute nicht sichtbar daran erfreuen, empfindet er als undankbar. D! schreitet durch die Reihen, brüllt, flüstert, lobt, tadelt, wackelt mit den Armen, wippt. Er treibt sich selbst fortwährend zum Äußersten. Später tanzt er die Choreografie vor, schnell, aggressiv. Seine Bewegungen wirken wie Schläge. Auch beim Tanzen gibt es keinen Frieden, niemals.

Zuvor im Hotel hat D! von seiner Kindheit im Heim erzählt. Einen Tag vor seinem siebten Geburtstag hat ihn eine Frau der Jugendfürsorge aus seiner Wohnung in Berlin abgeholt. Sie sagte, in zwei Monaten sei er wieder zu Hause. Er sollte nie mehr zurückkehren. D! hat keine Erinnerung an seine Mutter in diesem letzten Augenblick. Sie lag wahrscheinlich im Bett, krank vom Tumor, der in ihrem Kopf wuchs, unfähig sich zu kümmern. Vorher hatten seine Mitschüler bemerkt, dass er nie etwas zu essen dabeihatte, am Ende brachten auch die Lehrer Brote für ihn mit. Es sprach sich herum. D! entsinnt sich, wie er einmal vor Wut auf seine Mutter Eier an die Wand warf. Sie sollte ihn endlich bemerken. Stattdessen trug sie ihm auf, vor der Tür der Nachbarn auszuspucken. Die redeten schlecht über die Mutter und das Negerkind. D! war das Produkt eines zweifachen Betruges. Seine Mutter hatte ihren Lebensgefährten hintergangen und der Vater seine Ehefrau. D!s Vater stammt aus Ghana, studierte in der DDR. D! hat ihn nie gesehen. Die Mutter hoffte auf ein weißes Baby. Als D! zur Welt kam, wurde der Seitensprung offensichtlich, der Lebensgefährte verließ sie. Die erste Tat des Kindes eine Zerstörung.

D! trat ein in die Welt der Heime. Er selbst nennt sie eine „Parallelwelt“. Innerhalb weniger Stunden hatte er alles verloren: Familie, Freunde, Wohnung. Alle Privatsachen waren abgegeben, alle Bindungen gelöst. Es war, als beginne sein Leben von vorn. Noch heute wird seine Stimme bei diesen Thema lauter, als könnte er die Erinnerungen übertönen. Die ersten Jahre verbrachte er im „Makarenko“, einem Heim in Treptow, später zog er nach Lichtenberg. D! sagt nichts Schlechtes über die Heime oder die Erzieher. Als einziger Schwarzer war er dort auch immer der Exot. Die Hautfarbe trennte ihn von den anderen, hob ihn aber auch hervor. Und er gewöhnte sich an, über seine Herkunft zu schweigen. D! drückt es so aus: „Es gab nichts, worauf ich stolz sein konnte: Mutter krank, Vater nie gesehen, sozial schwach, Heim!“ Andreas, D!s alter Freund aus der Heimzeit, sagt, D! habe erzählt, sein Vater stamme aus der ghanaischen Königsfamilie. In Wirklichkeit gab es niemanden, zu dem er gehörte. Die anderen Heimkinder fuhren Weihnachten heim, D! wurde von den Erziehern eingeladen. „Feiertage waren lange ein Problem“, sagt D!s Freundin. „Manchmal ist er Weihnachten allein im Auto den Ku’damm hoch- und runtergefahren.“

Nach außen lächelte D!, war beliebt, ein guter Schüler. Aber wenn in der Schule die Läuse umgingen oder etwas geklaut wurde, deuteten alle auf das „Heimkind“. Es zeigte ihm, dass er trotz aller Bemühungen nicht wirklich dazugehörte. Es muss gewesen sein, als zöge jemand immer in den schwierigen Augenblicken einen Vorhang zu und ließe D! auf der anderen Seite allein zurück. Nur Anspielungen auf seine Hautfarbe trafen härter. „Da bin ich völlig ausgerastet“, sagt D!. Dann kamen die 80er Jahre und Michael Jackson mit seinem Hit „Thriller“. „Das Video hat mich total geflasht“, sagt D!. Sein Freund Andreas meint, dass D! Jacksons Bewegungen am besten kopieren konnte. „Er war dann allein auf der Tanzfläche, und alle haben ihn angestarrt.“ D! hat die Bewunderung genossen. „Tanzen ist Freiheit“, sagt er.

Seine Mutter besuchte ihn noch einmal im Heim, da war er 13. „Das ist nicht mein Sohn“, waren ihre ersten Worte. D! rannte heulend davon. Kurz darauf starb sie einsam in ihrer Wohnung. Das letzte Bild der Mutter bleibt ein Bild der Ablehnung. D! schildert das so, wie er alles über seine Familie beschreibt – mit einer Mischung aus Trauer und Wut. Er ist nicht geübt im Erzählen, bis er 26 war, hat er sich verboten, über die Vergangenheit zu sprechen. Als ihn seine Freundin das erste Mal nach dem Unaussprechlichen fragte, schloss er sich weinend im Badezimmer ein. Für die Öffentlichkeit hat er sich einige Sätze zurechtgelegt, wenn er sich von ihnen entfernt, scheint der Abgrund wieder nah. Einmal hat er am Frühstückstisch gesagt: „Ich habe mich lange gefühlt wie Abschaum, nicht wert zu leben.“ D! weiß um die Wirkung dieses Satzes. In diesem Moment hat er sein Gegenüber erledigt.

Es ist wohl so, dass man sich irgendwann entscheidet, begräbt man sich in Selbstmitleid oder schützt man sich durch Härte? D! entscheidet sich für Härte, aber auch für die Welt der Kommunikation. Er muss strahlen, um aufzufallen. Er wirbt um andere, um für sich zu werben. „Den Detlef wollten immer viele adoptieren“, sagt sein Freund Andreas.

In Hattingen ist Pause. Die Teenager ordern Schokoriegel an der Bar. Hinter der Bühne scherzt D! mit der Tanzstudiofrau, witzelt mit dem Rettungssanitäter. Ab und an geht sein Blick ins Nirgendwo. Es sieht aus, als suche er einen Fluchtweg. Reden, reden, reden. Sein Handy klingelt. D! bleibt weiter freundlich. Dann verschwindet er plötzlich, zehn Minuten hat er ein Büro nur für sich gefordert. Der Rettungssanitäter sagt: „Mensch, der is ja richtig nett. Nicht so ein Arsch wie im Fernsehen!“ Es ist der häufigste Satz, der in D!s Nähe fällt. Die Tanzstudioleiterin mutmaßt: „Der muss das alles machen. Sonst kommt irgendein anderer E und setzt sich ein Ausrufezeichen hinter den Namen.“ D! sagt, das Ausrufezeichen sei ein Gag wie bei Joop!. „Detlef ist ja nicht so der Burner.“ Er nannte sich auch schon Jermaine oder Tyrell, erfand sich immer wieder neu. Detlef ist die Vergangenheit. Das Ausrufezeichen wirkt wie eine Versicherung seiner Existenz.

Mit 14 wurde D! adoptiert, zog in eine Pflegefamilie nach Marzahn. Er gründete die Tanzgruppe Dance Collection, trainierte besessen, übte die ersten eigenen Choreografien, trat in Modenschauen auf. Er habe sich ganz gut eingerichtet in der DDR, sagt er. Begann, sich sicher zu fühlen, dann fiel die Mauer. Die Auftritte wurden selten, und D! lebte weiter, als wäre nichts geschehen, fuhr einen Opel Manta, lud seine Freundin ins Kino ein und überlegte am nächsten Tag, was er essen sollte. Als er die Rechnungen nicht mehr zahlen konnte, verbrachte er einen Tag im Knast. D! tänzelte vor dem Abgrund, nach außen mimte er weiter den Sorglos-Boy. Wenn man ihn nach seinen Träumen in dieser Zeit fragt, antwortet er: „Ich wollte Westgeld verdienen.“

D! verkaufte selbst geschmierte Brötchen, vertrieb Wasserfilter, wurde Motivator und Vermögensberater. In dieser Zeit, Anfang der 90er, traf ihn sein Freund Andreas wieder, sie hatten sich seit ihrer gemeinsamen Heimzeit nicht mehr gesehen. „Detlef trug plötzlich Anzug und sprach hochdeutsch“, erinnert er sich. Tanzen schien die einzige Konstante in seinem Leben. D! begann, über einen Bekannten Modenschauen für Einkaufscenter zu organisieren, tanzte im Ballettzentrum am Ku’damm, dort suchten Plattenfirmen Trainer für ihre Stars wie Jeanette Biedermann und Sarah Connor. Mit „Popstars“ schaffte er es schließlich auf die deutschen Bildschirme. Inzwischen hat er fünf Firmen, neun Mitarbeiter und ein Jaguar- Coupé. „Ich sichere mich ab“, sagt er. Seine Freundin sagt, er habe kein Privatleben, planen könne man nicht mit ihm.

Der Workshop in Hattingen nähert sich dem Ende. Die Wangen der Teenager schimmern tiefrot, ihre Bewegungen erscheinen nach fünf Stunden Training lahm. „Auf einem Geburtstag von 70-Jährigen ist ja mehr Stimmung als hier“, schreit D!. Die Teenager stöhnen. Am Ende kommen die Eltern mit den Videokameras, und D! schreibt Autogramme. Er lächelt, lässt sich fotografieren und umarmen. Seine Freundin sagt, nach den Workshops liege er wie leer auf dem Sofa seiner Berliner Wohnung und wolle das Haus nicht mehr verlassen. Ausgehen bedeutet Arbeit, wieder neue Menschen, zu denen man freundlich sein muss.

Auf der Rückfahrt von Hattingen zum Flughafen ist D!s Manager am Telefon. In wenigen Tagen wird D! in der Sendung „Die Alm“ auftreten. „Tatjana Gsell?“, fragt D! in den Hörer. „Findste nicht, dass das ’n krasser Imagemix ist?“ Von der Sendung haben ihm alle abgeraten. D! hat es trotzdem gemacht. „Wenn die 14 Tage mein Image ruinieren, dann war es eh nichts wert“, sagt er. Es wirkt wie ein Test, wie weit er gehen kann, ohne abzustürzen. Wenn auch das seine Karriere nicht beendet, hat er es geschafft. Zwei Wochen später stellt D! fest, geschadet hat ihm die Show nicht. Es gibt wieder ein paar mehr, die ihn hassen, und ein paar mehr, die ihn lieben. Und sein Gesicht war die ganze Zeit auf Sendung.

D! glaubt an die Macht des Fernsehens, es hat ihm eine neue Familie geschenkt. D!s Vater war mit seiner Ehefrau und zwei Kindern in den 70er Jahren in den Westen gegangen. Die Stiefmutter ahnte schon lange von dem Seitensprung-Kind im Osten, der Vater verleugnete es stets. Anfang der 90er zog der Vater zurück nach Ghana, und D!s Stiefmutter begann, nach dem verlorenen Kind zu forschen, suchte aber nach Soest statt nach Soost. Viele Jahre später schaute ihre Tochter, also D!s Halbschwester, „Popstars“. Sie fand, der Choreograf habe große Ähnlichkeit mit ihrem Bruder, im Abspann las sie den Namen. Daraufhin schrieb die Familie D! einen Brief. „Ich habe ein halbes Jahr gebraucht, um mir zu erlauben, eine Familie zu haben“, sagt er. Die Stiefmutter zog nach Berlin in seine Nähe.

Von ihrer Wohnung aus hat D! auch das erste Mal mit seinem Vater in Ghana telefoniert. Vergangene Weihnachten. Der Vater will nun, dass er zu Besuch kommt. D! fürchtet sich davor. Er hat Angst, dass es „wie bei einem Casting wird“. Dass der Vater oder er selbst den Erwartungen nicht standhalten. Dass es etwas verändert, das er nicht unter Kontrolle hat. Dass er alles verliert, zum zweiten Mal.

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