Zeitung Heute : Gemeinsam gegen Putin

Zehntausende protestieren in Russland und fordern Neuwahlen / 50 000 Polizisten in Moskau im Einsatz.

Im Protest vereint.
Im Protest vereint.Foto: AFP

Bis zu 100 000 Menschen haben bei den größten Straßenprotesten von Regierungsgegnern in Russland seit zwei Jahrzehnten am Samstag Neuwahlen gefordert. Die Demonstranten warfen der Regierung eklatante Fälschungen bei der Parlamentswahl vor einer Woche vor. Mit Transparenten und Sprechchören forderten sie in Moskau den Rücktritt von Regierungschef Wladimir Putin. Auch in anderen russischen Städten gingen zehntausende Menschen für faire und freie Wahlen auf die Straße.

In Moskau strömten Zehntausende zum Versammlungsort auf der Bolotny-Insel im Fluss Moskwa. Während die Polizei von etwa 25 000 Teilnehmern sprach, gingen die Organisatoren von bis zu 100 000 Demonstranten aus. Zuletzt war es in Moskau zu einer ähnlich großen Demonstration im August 1991 nach dem Putsch gegen den damaligen sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow und seine Perestroika gekommen.

Ein massives Aufgebot von etwa 50 000 Polizisten und Sicherheitskräften war in Moskau im Einsatz. Sie sperrten den Roten Platz und weitere symbolische Orte ab. Um die Jugendlichen vom Protest abzuhalten, hatte die Moskauer Verwaltung für die älteren Schüler am Samstagnachmittag überraschend Unterricht angeordnet. Bei der regierungskritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ funktionierten am Samstag weder das Festnetz-Telefon noch das Internet.

Zu Protestkundgebungen versammelten sich die Menschen auch im Fernen Osten Russlands, in Perm am Ural und in St. Petersburg. Dort lösten Einheiten der Sonderpolizei Omon eine nicht genehmigte Versammlung auf und schleppten gut ein Dutzend Oppositionelle brutal in bereitstehende Busse. Vor der russischen Botschaft in Berlin demonstrierten nach Polizeiangaben rund 500 Menschen für freie Wahlen in Russland.

Bei Protesten seit der Wahl am 4. Dezember wurden rund 1600 Menschen festgenommen. Die Opposition wirft dem Kreml Wahlfälschungen zugunsten der Regierungspartei „Einiges Russland“ von Putin und Präsident Dmitri Medwedew vor. Dem am Samstag in der Staatszeitung „Rossijskaja Gaseta“ veröffentlichten endgültigen Wahlergebnis zufolge erhielt sie 49,32 Prozent der Stimmen. Auf dem zweiten Platz folgen demnach mit 19,19 Prozent die Kommunisten. Ministerpräsident Putin, der bereits in den Jahren 2000 bis 2008 Staatschef war, will sich im März erneut zum Präsidenten wählen lassen. Medwedew soll dann Regierungschef werden. mit AFP/dpa

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