Zeitung Heute : Gemeinsam statt einsam Mittlerweile gibt es 250 Wohnprojekte für Ältere

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Wohnen im Alter muss nicht mit Einsamkeit verbunden sein. Zwar wohnen Großfamilien nur noch selten unter einem Dach, doch gibt es Alternativen zum Leben in der SingleWohnung oder im Seniorenheim. So schließen sich immer mehr ältere Menschen zusammen und gründen Haus- oder Wohnprojekte.

Die ersten Gemeinschaften entstanden in den achtziger Jahren, sagt Gerda Helbig vom Forum Gemeinschaftliches Wohnen in Hannover. Inzwischen gibt es in Deutschland rund 250 dieser Projekte, wie eine Untersuchung des Kuratoriums Deutsche Alternhilfe (KDA) und der Bertelsmann Stiftung ergab. Nach einer Studie des Instituts TNS Emnid möchte jeder dritte Deutsche im Alter in einer Wohngemeinschaft leben. Es gibt Häuser, in denen die Bewohner auch im Pflegefall wohnen bleiben und von einem Pflegedienst betreut werden können. In anderen Projekten legen die Bewohner fest, dass sie sich zwar gegenseitig helfen, aber nicht zur Pflege verpflichten.

Grob lassen sich zwei Wohnformen unterscheiden: Selbst organisierte Gemeinschaften und integrierte Wohnkonzepte. Erstere entstehen in Eigeninitiative. Interessierte schließen sich zusammen, ziehen in ein bereits bestehendes Haus oder errichten selbst ein Gebäude. Die integrierten Wohnprojekte sind meist größer und werden von einem Träger ins Leben gerufen. „In ihnen wohnen verschiedene Gruppen zusammen, zum Beispiel Alleinerziehende und Familien, Senioren oder Behinderte“, weiß Holger Stolarz, beim KDA Leiter des Referats Wohnen im Alter.

Gemeinsam ist allen Projekten, dass Bewohner auch mal „Nein“ sagen können, wenn sie ihre Ruhe haben wollen. „Freiwilligkeit ist ganz wichtig“, sagt Helbig. „Man muss sich von den anderen abgrenzen können.“

Die Planung sollte keinesfalls erst im hohen Alter beginnen. Schon mit Mitte 50 sollten erste Überlegungen angestellt und verschiedene Wohnformen angeschaut werden. In einigen Hausgemeinschaften können sich Interessierte auf Wartelisten eintragen lassen. In den größeren Projekten gibt es manchmal die Möglichkeit, ein paar Wochen zur Probe zu wohnen. dpa

Weitere Infos: Forum Gemeinschaftliches Wohnen, Telefon: 05 11 / 924 00 18 27, im Internet: www.fgwa.de.

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