Zeitung Heute : Generation Internet: Einsame Kinder in der virtuellen Welt

Der Tagesspiegel

Nie kannten Kinder so viele andere Kinder in der virtuellen Welt wie heute. Dennoch sind sie nach Beobachtung von Thomas Feibel, Autor des jährlich erscheinenden Standardwerks „Kindersoftware-Ratgeber“, oft einsam. „Aber es ist eine andere Art von Einsamkeit als noch vor einigen Jahren, als übergewichtige Kinder allein mit Ballerspielen vor dem Computer saßen“, sagt Feibel.

Eltern ließen ihre Kinder oft vor dem Rechner allein, dabei hätten die ein gigantisches Mitteilungsbedürfnis, so Feibel weiter. Kinder gingen unvoreingenommen auf die Webseiten und probierten sie aus. Das sei Vor- und Nachteil zugleich. „Die Kinder sehen viel und sie lernen viel – aber sie müssen auch die Gefahren in der virtuellen Welt kennen.“

Chatten, der anonyme Online-Plausch, sei die Lieblingsaktivität von Kindern und Jugendlichen im Netz und biete vor allem die Möglichkeit zu flirten: „Sie lügen dabei fast alle, geben ein falsches Alter an und sind so schön wie Filmstars.“ Genau hier seien die Eltern gefragt: „Der Grat zwischen Flirt und sexueller Belästigung ist ganz schmal.“ Eltern müssten da sein, wenn so etwas passiere und ihren Kindern die Wertigkeit solcher Ereignisse vermitteln. „Die Kinder müssen lernen, das einzuordnen.“ In der „richtigen“ Welt brächten sie ihren Kindern auch bei, sich nicht von Fremden ansprechen zu lassen oder in unbekannte Autos zu steigen.

Verbote seien aber keinesfalls der richtige Weg. Wenn sie zu Hause nicht an den Computer dürften, suchten sie sich andere Möglichkeiten, Teil der virtuellen Welt zu sein. „Und dann kriegen die Eltern noch weniger mit, was ihre Kinder treiben“, sagt Feibel. Der beste Schutz sei Vertrauen.

Feibel betont, er sei nicht gegen Computer oder das Internet – aber beides müsse kritisch betrachtet werden. „Wir haben diese Technikgläubigkeit – wenn etwas am Computer nicht funktioniert, kommt keiner auf die Idee, dass das Problem beim Computer liegt.“ dpa

Im Internet: www.feibel.de

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