Zeitung Heute : Gerade Nähte sind das Wichtigste

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Wer nicht richtig gelernt hat, mit der Nähmaschine umzugehen, hat das Klassenziel im ersten Ausbildungjahr zum Sattler verpasst. "Das ist das Erste, was die Lehrlinge bei mir lernen sollen", erzählt Sattlermeister Christian Maedel. Denn einen Autobezug aus teurem Leder, aber mit ungeraden Nähten könnte man nur schwer an den Mann bringen. Deshalb sitzen die Auszubildenden zunächst ein Vierteljahr ausschließlich an der Nähmaschine. Dabei lernen sie nicht nur, Autobezüge zu nähen. Der Beruf des Sattlers umschließt ein breiteres Feld: Neben dem Kfz-Sattler gibt es den Reitsportsattler, den Bootssattler und den Täschner.

Wenn es derzeit auch nur drei Betriebe in Berlin gibt, die ausbilden, ist der Beruf des Sattlers nach Maedels Ansicht wieder im Kommen. "Autositze werden immer bezogen und auch Bootsverdecke und Sitzbezüge für Boote sind sehr gefragt", sagt er. Derzeit steht ein nagelneuer BMW in seiner Werkstatt, der neue Sitzbezüge bekommt. "Der Kunde möchte gelbe Ledersitze haben", sagt der Sattlermeister. Neben solchen Extra-Wünschen reparieren und erneuern Sattler Cabrio-Verdecke und bessern Autositzbezüge aus. Zu den "Bonbons" gehört sicher die Restaurierung von Oldtimern. "Da erneuern wir oft die gesamte Innenausstattung."

Deshalb müssen die Auszubildenen in den drei Jahren ein mächtiges Lernpensum erfüllen. Wer im ersten Lehrjahr den Kampf mit der Nähmaschine überstanden hat, lernt im zweiten Jahr verschiedene Polstertechniken, Federungen und wie man Sitze und Schaumstoffe bearbeitet. Im letzten Lehrjahr dürfen die Lehrlinge dann ihre Fingerfertigkeit unter Beweis stellen und selbstständig Bezüge nähen. Einmal in der Woche steht in der Schule die Theorie auf dem Stundenplan. Dazu gehören Fächer wie Sozialkunde, Mathematik, Fachzeichnen, Werkstoff- und Fertigungstechik.

Die meisten Auszubildenden kommen über die Berufsvermittlungen der Arbeitsämter. "Es ist selten, dass einer aus eigenem Antrieb eine Bewerbung schickt", räumt Maedel ein. Dabei sei der Beruf des Sattlers ein Zukunftsberuf. "Allein die Ausbesserungsarbeiten an Segelbooten haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen", sagt der Sattler-Meister. Er ist der Ansicht, dass sich in dieser Branche künftig noch mehr tun wird. "Mit den ganzen Politikern und Bundesbediensteten kommen bestimmt auch mehr Segelboote nach Berlin. Da gibt es immer etwas auszubessern", sagt er zuversichtlich. Darüber hinaus gebe es zahlreiche Aufträge aus der Autobranche.

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