Zeitung Heute : Geradeaus fahren kann jeder Wassertreten ohne nasse Füße

Michael Geisler ist Bootsfahrschullehrer bei Stralau. Sein Hobby hat er zum Beruf gemacht – und kann trotzdem nach Feierabend manchmal kein Wasser mehr sehen. Foto: Uwe Steinert
Michael Geisler ist Bootsfahrschullehrer bei Stralau. Sein Hobby hat er zum Beruf gemacht – und kann trotzdem nach Feierabend...Foto: uwe steinert

Das Wasser glitzert auf dem Rummelsburger See. Und Michael Geisler klettert in sein Motorboot. Was für andere wie der Beginn der perfekten Ferien klingt, ist für ihn Alltag. „Wenn man sein Hobby zum Beruf macht, fällt das Hobby weg“, sagt der Mann mit dem Pferdeschwanz achselzuckend, der früher als Heizungsinstallateur gearbeitet hat. Michael Geisler ist Fahrlehrer für Sportboote und betreibt die Bootsfahrschule Stralau.

In Theorie und Praxis bereitet der 53-Jährige Skipperneulinge auf den amtlichen Sportbootführerschein vor. Sein ältester Schüler war 74, die jüngsten sind 16. Vorfahrtsregeln und die Bedeutung der Wasserstraßenschilder erklärt er ihnen zum Beispiel. „Am Anfang ist das ganz schön trocken“, sagt er und grinst ein bisschen. Aber bald wird es feuchter: Das praktische Training beginnt oft mit einer Kollision, erzählt Geisler: „Als erstes lasse ich die Schüler auf die Spundwand da hinten zu fahren“, sagt er und zeigt auf die Metallverkleidung, die an der Promenadenmauer neben dem kleinen Hafen angebracht ist. „Man muss erstmal ein Gefühl dafür bekommen, wann man mit dem Boot tatsächlich fährt.“ Damit weder dem Boot noch den Fahranfängern etwa passiert, ist der Bug mit zwei luftgefüllten Plastikbällen geschützt: „Die Fender helfen allerdings nur, wenn man nicht zu schnell fährt.“

Wenn die erste Aufgabe gemeistert ist, geht es aber nicht etwa gleich auf große Fahrt Richtung Müggelsee. „Geradeausfahren kann eigentlich jeder.“ Deshalb wird stattdessen vor allem An- und Ablegen immer wieder geübt, Rückwärtsfahren, eine Wende auf engstem Raum. Und natürlich „Mensch über Bord“: „Es müssen bei der Prüfung immer zwei Prüflinge dabei sein und der eine fischt den anderen heraus“, sagt Geisler – er macht gern Witze mit einem ganz und gar ernsten Gesicht. Dann erklärt er aber, dass statt des Menschen ein Rettungsring „gerettet“ wird. Überhaupt sei alles nicht so dramatisch, weder in der Ausbildung noch in der Prüfung: „Es fällt nur sehr selten jemand durch.“ Aber manche brauchen doch statt der vorgesehenen vier bis fünf Wochen eher acht: „Die denken zuerst: Das bisschen Bootfahren und sagen dann doch „Ach herrje“.“ Vielleicht liegt es ja bei manchen auch an den vielen Knoten, die man als Skipper lernen muss: Schotstek, Palstek, Rundtörn. Geisler zählt noch eine Menge mehr auf. Er selbst kann noch viel mehr als Knoten knüpfen: Sein Schiff selbst reparieren und warten: „Ich stecke oft kopfüber im Motorraum.“ Das ist wichtig, denn „man kann ja im Boot nicht einfach an den Straßenrand fahren und auf den ADAC warten, wenn man eine Panne hat“.

Hafen und Boot bestimmen Geislers Leben. Der Fahrlehrer wohnt sogar gleich neben seinem Schiff in einem kleinen Haus direkt am See. Kein Wunder, dass er kein Wasser mehr sehen kann, wenn er mit der Arbeit fertig ist: „Dann gehe ich im Wald spazieren.“ Und er würde auch nie auf die Idee kommen, mit seinem Schiff in den Urlaub zu fahren.

Das Boot mit dem grünen Verdeck hat nicht mal einen Namen. Schließlich ist Bootfahren für ihn kein Spaß mehr, sondern Arbeit. „Manchmal finde ich das ein bisschen schade“, sagt er und wirkt dabei trotzdem ganz zufrieden. Daniela Martens

Bootsfahrschule Stralau, Tunnelstr. 41/ 42, Tel. 20 07 80 52, Ein Kombilehrgang kostet 380 Euro. Mehr Informationen unter www.bootsfahrschule-stralau.de

Es gibt Mountainbikes, mit denen man über Stock und Stein radeln kann, es gibt Waterbikes mit denen man auf Wasserwegen vorwärtskommt – aber die Kombination aus beidem ist neu. Die Idee dazu kam Raffaele Canfora bei einer seiner Radtouren entlang der Havel. Gerade die ursprüngliche Uferlandschaft hat es dem Hobbyradler und Diplomingenieur angetan. „Das einzige Ärgernis war, dass ich nicht immer da ans andere Ufer übersetzen konnte, wo ich wollte, sondern lange Wege zur nächsten Brücke zurücklegen musste“, sagt er. Da lag die Erfindung eines transportablen Umbau-Kits für sein Mountainbike nahe, um an Ort und Stelle das Wasser überqueren zu können. Das Ergebnis heißt MountainWaterBike, wiegt knapp 12 Kilo und wird mit Rucksack und Pumpe für die Schwimmkörper geliefert. Kostenpunkt: 3499 Euro.

In knapp 15 Minuten lässt sich jedes Fahrrad mit dem Kit – bestehend aus zwei Schwimmern, Haltestangen, Antrieb und Ruder – in ein wassertaugliches Waterbike verwandeln. Dabei ist der Antriebsmechanismus, der den Platz des Hinterrads einnimmt, so ausgeklügelt, dass man trockenen Fußes von jedem Ufer aus starten und auch wieder anlanden kann. Weder Salzwasser oder leichter Wellengang, noch kleinere Hindernisse wie Äste oder Sandbänke sind ein Problem. „Der Antrieb hat eine Doppelfunktion“, so Erfinder Canfora. „Zum einen natürlich als reiner Antrieb, zum anderen als Kiel zur Stabilisierung im Wasser. Ein kleines Zusatzrad am Antrieb garantiert, dass man sogar in seichtem Wasser vorwärtskommt.“ Gelenkt wird mit dem Vorderrad, an dem das Ruder befestigt ist, und mit dem man auch bremst, indem man es querstellt.

Wer sein umgerüstetes Fahrrad zu Wasser gelassen, sein Hinterrad im mitgelieferten Transportnetz verstaut hat und sich dann auf den Sattel schwingt, stellt schnell fest, wie viel Spaß das Radeln auf dem Wasser macht – neugierige Blicke von Enten und Ruderern inklusive. Schon beim ersten Pedaltritt reagiert die Schraube im Antrieb und der Waterbiker legt ohne Verzögerung ab. Ohne übermäßige Kraftanstrengung gleitet man auf dem Wasser dahin und erreicht mit der Sechsgangschaltung rasch eine Geschwindigkeit von rund 10 km/h.

Auch Trekkingfans kommen mit dem Sportgerät auf ihre Kosten, denn die schnelle Montage und die kompakte Packung machen die Mitnahme einfach und garantieren eine gewisse Autonomie bei der Tour. „Man ist nicht mehr auf Begleitfahrzeuge angewiesen, die zur Überquerung von Flüssen oder Seen Kanus anliefern“, so Jungunternehmer Canfora. Interessanten Radtouren mit Fahrten zu Land und zu Wasser steht somit nichts mehr im Weg (www.MountainWaterBike.de). Tong-Jin Smith

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