Zeitung Heute : Gerettet aus Ruinen

In der DDR wurde Schloss Kleßen geplündert. Ein Ehepaar hat es neu aufgebaut

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Die DDR-Bürokraten hatten Schloss Kleßen zum Abbruch freigegeben. Zunächst nach 1949 als Altenheim, Kindergarten und Konsum genutzt, ließ die Gemeinde seit 1970 das Haus und den Garten in der Nähe der alten havelländischen Stadt Friesack verfallen. Jeder, der Steine brauchte, durfte mit der Spitzhacke auf das Herrenhaus losgehen. Es wurden Fensterbänke aus Marmor, Sandsteinfliesen und sogar Fassadenfiguren und Ornamente demontiert. Und so war 1993 von der barocken Dreiflügelanlage im französischen Stil nur noch eine Ruine übrig.

Dass Schloss Kleßen und sein Garten heute wieder zu den schönsten Anlagen des Havellandes zählen, ist nur einem Zufall geschuldet. „Wir haben in einem Buch über Schlösser in der Mark Brandenburg das Haus gesehen und dachten, dass man für die Kultur auf dem Land etwas tun müsse“, erzählt Sabine Thiedig. Schon einige Zeit hatten sie und ihr Mann Hans-Jürgen so etwas gesucht. „Ein riesiges Abenteuer war das“, sagen sie heute. Aber der Stress hat sich gelohnt, und das anfängliche Mißtrauen der Nachbarn gegen die neuen Schlossherren hat sich in Respekt verwandelt.

13 Jahre hat das Paar für das 1723 erbaute Objekt gekämpft, um Unterstützung gebuhlt, um Fördermittel gerungen, nach historischen Baumaterialien gefahndet. „Ein Haus mit jahrhundertealter Geschichte kann man nicht einfach aufgeben“, sagt Sabine Thiedig. Für die Havelländischen Musikfestspiele wird das ansonsten privat genutzte Schloss geöffnet.

Die Geschichte des Dorfes und des Gutes Kleßen unter der Familie von Bredow beginnt im 14. Jahrhundert. Die Familie gehörte im Mittelalter zu einer der bedeutendsten im Havelland. Bis 1932 war das Schloss im Familienbesitz, wenn auch mit vielen Zwistigkeiten um Erbfolgen, Teilveräußerungen und Abfindungszahlungen.

Zwei voneinander unabhängige Grünanlagen – ein Garten und ein etwas entfernt liegender Park, der an den Kleßener See grenzt – gehörten schon damals zum Schlossensemble. 1945 schlug man aus dem Park große Mengen Holz. Nur vereinzelt blieben mächtige Rotbuchen und Stieleichen erhalten.

Auch für den Schlossgarten gab es nur noch wenig Anhaltspunkte – also haben Gartenarchitekten nach alten Vorlagen eine Grünanlage mit vielen Details geschaffen – einen Märkischen Gutsgarten, der öffentlich zugänglich ist. Er vereint formal gestaltete Bereiche als Antwort auf die barocke Ursprungs- zeit des Hauses mit naturbelassenen Bereichen. Es gibt einen Naschgarten mit Kräutern und Beeren, einen Sommerblumengarten, einen Rosengarten mit weißen, rosafarbenen und violetten Blüten und einen Obstbaumgarten, auf dessen Wiese gerade hunderte Narzissen blühen. Bänke und Pavillons laden in dem weitläufigen Gelände zur Rast. Einen der 300 Jahre alten Bäume vor dem Schloss erwähnte schon Theodor Fontane als „alte Linde“.

Zu Schloss Kleßen gehören zudem der restaurierte Wasserturm auf dem Ehrenhof, mehrere Wirtschaftsgebäude und die alte Dorfschule. Sie wurde denkmalgerecht renoviert und zum Museum ausgebaut. Dort ist ab Sonntag, 21. Mai, das erste Spielzeugmuseum im Havelland geöffnet – schließlich war Brandenburg einst ein Zentrum der Spielzeugherstellung. Acht Fabriken sandten Spielzeug in alle Welt. Auch das Museum ist ein Projekt von Hans-Jürgen Thiedig: Jahrzehnte lang haben er und sein Partner für ihre Sammlungen Spielzeug zusammengetragen (kleine Fotos oben und rechts); Dampfmaschinen in Miniaturformat, Spielzeugeisenbahnen, historische Puppen, Puppenstuben und Kaufläden. In dem Museum soll es auch Lesungen, Kasperletheater und

ZauberShows

geben.

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