Zeitung Heute : Gerkan kritisiert Hauptbahnhof-Umfeld

Architekt äußert sich „extrem unzufrieden“ mit der Entwicklung: Zu viele Provisorien.

Berlin - Sieben Jahre nach der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs ist Architekt Meinhard von Gerkan „extrem unzufrieden“ mit der Entwicklung des Umfeldes. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel kritisierte Gerkan die vielen „Provisorien“. Bereits in der Vergangenheit hatte der Architekt die Architektur der ersten Nachbargebäude des Bahnhofs getadelt.

Fertig ist das wegen seiner Eintönigkeit bereits früher auch von Gerkan stark kritisierte Meininger-Hotel. Inzwischen hat der Senat für das Bahnhofsumfeld Architektenwettbewerbe zur Pflicht gemacht. Im Oktober soll ein Intercity-Hotel eröffnen. Ein Steigenberger-Hotel, das ebenfalls in Bau ist, soll 2014 in Betrieb gehen. Zudem ist ein Bürokomplex geplant.

Auf der Nordseite der Invalidenstraße ist ein Hotel One entstanden, ein weiteres Hotel an der Heidestraße ist in Bau. Zudem ist 2012 auf dem Gelände der Europacity der Total-Turm bezogen worden. Wohnungsbau am Bahnhof ist derzeit nicht aktuell – auch weil der Lärmschutz wegen des verkürzten Daches fehlt. Gerkan forderte erneut, dieses zu verlängern, was technisch auch möglich sei.

Stadtplaner befürchten, dass urbanes Leben in dem Quartier nur schwer entstehen kann. Kritisiert wird immer wieder der großflächige Neubau des Bildungs- und Forschungsministeriums am Kapelle-Ufer. Dort sind wegen der Sicherheitsanforderungen keine Geschäfte vorgesehen. Auch das nahe Bundesinnenministerium, bei dem gerade Richtfest gefeiert wurde, besteht auf ein hohes Sicherheitsniveau.

Gerkan bemängelte zudem, dass es immer noch keine sinnvolle Planung für den Taxiverkehr am Bahnhof gebe. Immerhin könnte es zumindest für die Zufahrt auf der Nordseite über den Europaplatz eine Lösung geben. Nach Informationen aus der Senatsverkehrsverwaltung prüft das Land, ob es dort ein Grundstück, das für eine Bebauung vorgesehen ist, zurückkauft. Dann könnte die Straßenführung großzügiger angelegt werden, heißt es.

Für Taxis gibt es an beiden Eingängen des Bahnhofs nur schmale Zufahrtsstraßen. Autofahrer, die Fahrgäste zum Bahnhof bringen oder von dort abholen wollen, müssen um mehrere Ecken kurven. Weil die Autos regelmäßig in der schmalen Straße im Halteverbot abgestellt werden, ist die Zufahrt häufig verstopft.

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