Zeitung Heute : Geschäfte werden digitaler

Der Tagesspiegel

Zu den Schwerpunkten der CeBIT gehört das E-Business: Von der Auftragserteilung über die Abwicklung der Bestellung im Unternehmen bis hin zur Lieferung, Rechnungsstellung und Service soll alles elektronisch ablaufen. Die dabei anfallenden Daten können mobil abgerufen werden – nach Möglichkeit aber nur von den dazu Berechtigten. Damit haben sowohl offene Standards wie das Dokumentenformat XML als auch Sicherheitsfragen eine zentrale Bedeutung.

Die zählbaren Erfolge von E-Business sind im vergangenen Jahr hinter den hohen Erwartungen der Marktforscher zurückgeblieben. Den Trend zum E-Business kann die Dot-Com-Krise mit dem Zusammenbruch zahlloser Internet-Unternehmen aber kaum aufhalten. Allgemein überwiegt die Einschätzung, dass man ohne eine Weiterentwicklung der elektronischen Vertriebswege und internen Abläufe von der internationalen Konkurrenz bestraft wird. Die Marktforscher von Forrester Research erwarten, dass bis 2005 zwei Drittel aller Kaufvorgänge zwischen Unternehmen online abgewickelt werden. Von den mittelständischen Unternehmen in Deutschland mit bis zu 500 Beschäftigten sind nach einer Studie des Branchendienstes silicon.de mehr als 60 Prozent noch nicht ins E-Business eingestiegen.

Auf der CeBIT treffen sich die Erwartungen der Unternehmen mit neuen Angeboten der Software-Häuser für eine optimale Digitalisierung der Geschäftsprozesse. Besonders im Trend liegt die Gestaltung von „Supply Chains“ – das sind Wertschöpfungsketten mit Stufen wie Zulieferern, Produktion, Marketing, Vertrieb, Support und Lösungsanbietern. Der richtigen Organisation solcher Ketten widmet sich eine besondere Gattung von Software unter dem Schlagwort „Supply Chain Management“. Das kann etwa in Gestalt von elektronischen Märkten geschehen, die für eine Vielzahl von Branchen wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

Im Massengeschäft setzen Unternehmen zunehmend Software-Produkte für das „Customer Relationship Management“ ein. Hier werden mit Hilfe riesiger Datenbanken charakteristische Muster von bestimmten Kundendaten erzeugt, die für die Entwicklung neuer Produkte oder Erschließung neuer Kundengruppen genutzt werden. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Empfehlung des Online-Shops Amazon, dass Kunden, die Produkt A bestellt haben, häufig auch an Produkt B interessiert waren.

Innerhalb eines Unternehmens werden die Funktionen von ERP-Software immer ausgefeilter - das Kürzel steht für „Enterprise Resource Planning“ und bezeichnet die gesamte Verwaltung betriebswirtschaftlicher Prozesse. Das Internet wird genutzt, um an jedem Ort und zu jeder Zeit auf Firmendaten zuzugreifen und Geschäftsvorgänge auslösen zu können. Für die Pflege der eigenen Dokumente im firmeneigenen Intranet wie auf der Website sorgt das „Content-Management“. In diesem Bereich geht der Trend zu XML: Mit der „Extensible Markup Language“ können Dokumente so strukturiert werden, dass Web-Anwendungen für vielfältige Aufgaben verwendet werden können. Langsamer als erwartet kommt das „Application Service Providing“ (ASP) in Gang, die Bereitstellung von Software-Funktionen über das Internet. IBM hat das Konzept auf die Hardware erweitert und stellt auf der CeBIT erstmals sein Konzept vom „Grid Computing“ vor: Hier können über globale Netze auch Rechenleistung oder Speicherplatz abgerufen werden.

Peter Zschunke

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