Zeitung Heute : Geschenke für die Stadt

Durch die Ausstellung werden Rossebändiger und Prunkvasen der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht

Mächtig bäumt sich das Pferd auf, doch der Rossebändiger hat den Gaul fest im Griff, zeigt seine Macht. Rund vier Meter hoch ist die Bronzeskulptur, die mit ihrem tonnenschweren Pendant nicht nur ein Ausdruck von Macht, sondern auch ein Zeichen der Freundschaft zwischen dem russischen und preußischen Herrscherhaus Mitte des 19. Jahrhunderts symbolisierte. Mehr 100 Jahre blieben die Figurenpaare an ihrem angestammten Platz an der Nordwestecke des Berliner Schlosses, wo sie an der Lustgartenterrasse standen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs ließen die Amerikaner die imposanten Statuen aus der zerbombten Schlossanlage in den Kleistpark schaffen. Dort gerieten sie allerdings in Vergessenheit, da der Park zu Zeiten des Alliierten Kontrollrats der Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Das ändert sich nun für die interessierten Berliner und ihre Gäste vom 13. März an. Denn die beiden Figurengruppen wurden in einer spektakulären Aktion in den Lichthof des Martin-Gropius-Baus transportiert, wo sie den optischen Mittelpunkt der Ausstellung „Macht und Freundschaft“ bilden.

Die Geschichte der Rossebändiger begann, als Zar Nikolaus I. von Russland den Bildhauer Pjotr Clodt von Jürgensburg beauftragte, eine Figurengruppe für den Kopf der Anitschkow-Brücke gegenüber dem gleichnamigen Palast in St. Petersburg zu entwerfen. 1841 wurden sie dort aufgestellt. Als König Friedrich Wilhelm IV. ein Jahr später die Stadt an der Newa besuchte, versprach der Zar, ihm ein Paar als Abguss zu schenken. Der Künstler selbst hat die Figuren 1843 nach Berlin begleitet und im gleichen Jahr, so berichtet der Bildhauer Johann Gottfried Schadow, wurden sie auf der Terrasse mit Blick zum Lustgarten aufgestellt.

Der Schöpfer der Skulpturen, Pjotr Clodt von Jürgensburg, ist einer der bedeutendsten russischen Pferdebildner. Doch dem 1805 in St. Petersburg geborenen Sohn eines Generals war erst einmal eine militärische Laufbahn beschieden. Er war Fähnrich der Gardeartellerie. Zar Nikolaus I. fiel er aber eher durch seine künstlerische Freizeitbeschäftigung auf. Er schnitzte liebend gerne Pferde und dies so eindrucksvoll, dass ihn der Zar auf die Akademie schickte, wo er 1838 zum Professor und zum Direktor des Gießhauses der Akademie aufstieg. Zu seinen Hauptwerken zählt die bereits 1832/33 gefertigte Quadriga auf dem Narwaschen Triumphtor in St. Petersburg.

Bereits 1843 wurden zwei weitere Abgüsse der Rossebändiger hergestellt, die am anderen Ende der Anitschkow-Brücke aufgestellt wurden. 1846 schenkte der Zar diese Skulpturen dem König von Neapel, wo sie heute noch das Portal des Palazzo Reale zur Gartenseite hin zieren.

Doch der Zar wollte unbedingt ein Pendant auf der Anitschkow-Brücke. Und so entwarf von Jürgensburg 1849 und 1850 noch einmal zwei Figurengruppen. Allerdings liegt der Rossebändiger bei diesen beiden Motiven am Boden und hält mühsam das sich mächtig aufbäumende Pferd am Zügel. So sind diese vier repräsentativen Skulpturen noch heute in St. Petersburg zu sehen.

Während die Berliner Rossebändiger den Lichthof des Martin-Gropius-Baus schmücken, werden deren beiden Sockel im Kleist-Park, die nach dem Krieg notdürftig im Innern aus Abbruchsteinen gemauert waren, erneuert, erzählt Ingrid Schade von der Abteilung Denkmalschutz des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg. Auch die beiden Pferdegruppen gehen nach der Ausstellung direkt zum Restaurator, um von Grund auf wiederhergestellt zu werden. „Von außen sehen sie ja noch erstaunlich gut aus, aber wir wissen nicht, wie die Stützkonstruktionen im Innern aussehen“, sagt Ingrid Schade. Vor allem die Inschriften werden dann auch wieder deutlich zu lesen sein. Danach kehren die Skulpturen auf ihre Sockel im Kleistpark zurück. Ob sie dann – wenn das Humboldt-Forum fertig sein wird – wieder an ihren angestammten Platz gegenüber dem Lustgarten kommen werden, „muss auf höherer politischer Ebene entschieden werden“, sagt Ingrid Schade.

Mit den der Öffentlichkeit wieder zugänglichen und vor allem restaurierten Rossebändigern hat die Ausstellung „Macht und Freundschaft“ ein nachhaltiges Ergebnis erzielt. Das gilt auch für weitere Exponate: Denn in der Ausstellung werden große Prunkvasen aus St. Petersburg zu sehen sein (Abbildungen Seite 6 und 7). Solche Vasen waren damals übliche Staatsgeschenke, erklärt die Porzellanrestauratorin Uta Scholz von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Potsdamer Außendepot. Hier lagerten vor der Ausstellung die Bruchstücke dieser Prunkvasen, hier wurden und werden sie auch weiterhin restauriert. „Die Vasen sind ein Geschenk von Zar Nikolaus I. aus den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts“, erzählt Uta Scholz, „sie konnten gar nicht groß genug sein. Manche sind 2,50 Meter hoch.“

Diese Vasen standen einst im Schloss Charlottenburg. Nach dem Krieg wanderten sie als Beute in die Sowjetunion und kamen 1958 im Rahmen einer großen Rückgabeaktion in die DDR. Dort wurden sie ins damalige Kunstgewerbemuseum in Köpenick gebracht. Nach der Wende kamen die Bestände in einem einvernehmlichen Austausch zurück in den Besitz der SPSG.

Jetzt wurden sie zur Ausstellung angefordert. „Sie waren in Paletten verpackt, verschmutzt und zum Teil zerstört. Wann die Schäden enstanden sind, ist nicht mehr nachweisbar“, sagt Uta Scholz, die in acht Monaten harter Arbeit den Prunkgeschenken von einst wieder zu ihrem Glanz verholfen hat.

Nach Ablauf der Ausstellung werden diese Vasen nach mehr als 60 Jahren an ihren angestammten Platz im Schloss Charlottenburg zurückkehren. Auch dies ist der Ausstellung „Macht und Freundschaft“ zu verdanken.

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