Zeitung Heute : Geschichte in Geschichten

Ein neues Werk stellt die Uni-Historie dar

Constanze HaaseD

Mit Klebestreifen befestigt hängen die Tabellen mit den im Druck befindlichen Kapiteln an Tür und Wänden in Heinz-Elmar Tenorths Büro. Mit rotem Stift hat der Erziehungshistoriker die fertigen Beiträge markiert und konsequent ein Häkchen dahinter gesetzt. „Wir sind im Zeitplan“, sagt Tenorth erleichtert. „Im Frühjahr werden wir das Werk der Öffentlichkeit vorstellen.“

Das Werk ist eine neue Darstellung der Geschichte der Universität Unter den Linden, die Heinz-Elmar Tenorth zusammen mit dem Historiker Rüdiger vom Bruch zum 200-jährigen Jubiläum der Humboldt-Universität zu Berlin im Auftrag des Präsidiums herausgibt. Sechs Bände wird es umfassen: drei davon zur Politik- und Sozialgeschichte – als Biografie der Institution in ihrem kulturellen, politischen und sozialen Kontext; drei weitere Bände zur Disziplingeschichte – als Analyse der universitären Praxis wissenschaftlicher Arbeit. Rund 400 Seiten soll jeder Band beinhalten, mehr als 80 universitätsinterne wie externe Autorinnen und Autoren arbeiten daran. Erscheinen wird die historische Gesamtdarstellung der Universität im Akademie-Verlag.

„Die Wissenschaftsdynamik war das Kriterium beim inhaltlichen Aufbau, deshalb haben wir auch nach Institution und Disziplinen unterschieden“, sagt Tenorth. Geschichte in Geschichten: Mit der Konstitution nach 1800, der Transformation der Wissenschaft bis 1945 und ihrer Geschichte unter den Bedingungen der Diktatur bis hin zur deutschen Einheit werden derzeit die letzten leeren Seiten mit spannenden Schilderungen, politischen Entwicklungen und der universitätsinternen Dynamik aus 200 Jahren beschrieben. Das Werk wird geschmückt mit Bildern aus dem Universitätsalltag sowie Studierenden- und Dozentenzahlen von damals bis heute.

Die Idee, zum Jubiläum eine neue Universitätsgeschichte aufzulegen, entstand im Jahr 2000. Denn die letzte Geschichte lieferte der Historiker Max Lenz zum 100. Jubiläum der Universität 1910. Lenz war anschließend zwei Jahre lang Rektor der Universität. Sein Werk genießt den Status „einer politischen Geistes- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts bis 1860“, bescheinigt Rüdiger vom Bruch – der die Idee zur neuen Darstellung hatte – dem Vorgänger. Nur eines musste bei Lenz unweigerlich fehlen: Die Universitätsgeschichte der vergangenen 100 Jahre – Weltkriege, dazwischen Weimarer Republik, Nationalsozialismus, die Humboldt-Universität im Wissenschaftssystem der DDR und im Blick der Staatssicherheit, die deutsche Einheit und die Gegenwart als ein System aus Wissenschaft und Praxis außeruniversitärer Einrichtungen. „Am Ende soll der Leser mit historischer Spannung nachvollziehen können, wie eine Universität entsteht und wie man sie erfolgreich in die Zukunft führt“, hofft Heinz-Elmar Tenorth.Constanze Haase

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben