Zeitung Heute : Geschiedene Leute

Geht eine Beziehung in die Brüche, müssen die Ex-Partner einiges regeln.

Ruth Bohnenkamp

UNTERHALT

Seit der Unterhaltsrechtsreform 2008 gilt der Grundsatz, dass nach der Scheidung jeder Partner grundsätzlich wieder für sich selbst verantwortlich ist. Nur in Ausnahmen besteht ein nachehelicher Unterhaltsanspruch, etwa wenn die Ehe besonders lang war, ein Elternteil ein Kind unter drei Jahren betreut hat oder ein Partner sehr alt, krank, behindert oder arbeitslos ist.

Hiervon zu trennen ist der Anspruch auf Kindesunterhalt. Er besteht, wenn ein Elternteil die Betreuung minderjähriger Kinder übernimmt. Grundlage sind das Einkommen des Nichtbetreuenden und das Alter der Kinder. Die Praxis arbeitet hier mit der sogenannten Düsseldorfer Tabelle.

SORGE- & UMGANGSRECHT

Bei verheirateten Eltern sieht das Gesetz die gemeinsame elterliche Sorge als Regelfall vor. Dabei bleibt es grundsätzlich auch nach der Scheidung. Auf Antrag kann die elterliche Sorge ganz oder zum Teil aber einem Elternteil allein übertragen werden.

Dem nichtbetreuenden Elternteil steht ein regelmäßiges Umgangsrecht zu. Eltern können es einvernehmlich selbst regeln; das Jugendamt berät. „Für Kinder ist es am besten, wenn sich Eltern nicht über sie streiten“, sagt Nicole Hofmann, Rechtsanwältin in Berlin. Eine Trennung sei meist stark belastend für Kinder. Eltern sollten alles tun, um es ihnen nicht noch schwerer zu machen.

VERMÖGEN

Das eheliche Vermögen wird bei der Scheidung aufgeteilt. Haben die Ex-Partner notariell nichts anderes vereinbart, gilt der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft: Das Vermögen während der Ehe bleibt getrennt. Bei der Scheidung wird dann anhand des Anfangsvermögens im Verhältnis zum Endvermögen geprüft, ob während der Ehe ein sogenannter Zugewinn erwirtschaftet wurde. Übersteigt der Zugewinn des einen den des anderen, steht die Hälfte des Überschusses dem anderen Partner zu.

VERSORGUNGSAUSGLEICH

Das Familiengericht führt automatisch den Versorgungsausgleich durch. Dabei geht es darum, während der Ehe erwirtschaftete Rentenanwartschaften gleichmäßig auf die Partner zu verteilen. Klassisches Beispiel: Die Frau verzichtet wegen der Kinder drei Jahre auf eine Berufstätigkeit, der Mann arbeitet und erwirbt Anwartschaften für die Altersvorsorge. Davon muss er im Scheidungsfall die Hälfte abtreten.

EIN ANWALT REICHT

Für eine Scheidung muss immer ein Gerichtsverfahren eingeleitet werden. Weiter ist vorgeschrieben, dass der Scheidungsantrag von einem Anwalt gestellt werden muss. Kosten lassen sich sparen, indem ein Partner auf die Einschaltung eines eigenen Anwalts verzichtet. „Das ist aber nur ratsam, wenn der im Verfahren nicht Vertretene sich vorab über seine Rechte informiert hat“, warnt Expertin Hofmann. „Jahre später lassen sich voreilige Zugeständnisse meist nicht mehr korrigieren.“

Und: Wer in einer umfangreichen Scheidungsfolgenvereinbarung alles auf einmal regeln will, muss einen Notar aufsuchen.

Ruth Bohnenkamp

Unter dem Titel „Aus und vorbei: Hilfe bei Scheidung und Trennung“ ist im August ein Buch der Autorin bei Finanztest erschienen (192 Seiten, 18,90 Euro, im Handel oder unter www.test.de/trennung).

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