Zeitung Heute : Geschlossene Fonds - Und wie sie die Bankgesellschaft in die Krise rissen

ball

Fonds sind Sammelstellen für Kapital von privaten Anlegern oder institutionellen Investoren (Versicherungen, Pensionsfonds). Mit dem Geld erwerben die Fonds Flugzeuge, Tankschiffe oder Immobilien und vermieten oder verleasen diese weiter. Aus diesen Einnahmen bezahlen die Fondsgesellschaften Renditen an die einzelnen Anleger. Geschlossene Fonds sind Produkte des so genannten grauen Kapitalmarktes. Das heißt, die Manager unterliegen bei der Verwendung des Anleger-Geldes weniger strengen Kontrollen als beispielsweise Bank- oder Versicherungsvorstände. Daher schreiben immer wieder dubiose Fondsgesellschaften negative Schlagzeilen.

Einen regelrechten Boom erlebten Immobilienfonds in den neunziger Jahren, als der Fiskus Bauinvestitionen im Osten der Republik mit hohen Steuervergünstigungen belohnte. Viele Anleger vertrauten ihr Geld in dieser Zeit Fondsmanagern an, die aber nur einen Teil des Kapitals für den eigentlich gedachten Zweck einsetzten. Daher mussten sogar viele Initiatoren Geschlossener Immobilienfonds im Osten in die Insolvenz gehen. Kommt es zu diesem Desaster, dann besitzen die Anleger zwar noch ihren rechtmäßigen Anteil an der über die Fondsgesellschaft erworbenen Immobilie. Doch dieses Eigentum reicht nicht aus, da die Immobilie ja nicht genug Miete abwirft, um die "Verzinsung" des Anleger-Kapitals sicherzustellen. In besonders dramatischen Fällen müssen Anleger sogar weiteres frisches Kapital zuschießen, weil ihr Fonds nicht nur Geld von Anlegern, sondern auch Kredite von Banken verwandte, um die Immobilie zu erwerben. Und wenn die Mieten nicht einmal ausreichen, um die Bank-Zinsen zu zahlen, dann muss der Anleger als Eigentümer der Fondsimmobilie für diese Kosten aufkommen.

Die Ursache für die oft weit unter den Erwartungen von Fonds liegenden Einnahmen liegt häufig darin, dass die Fondsmanager zu viel Geld für Werbung, eigene und fremde Provisionen sowie hohe Manager-Gehälter ausgeben. Dadurch fließt nur ein Teil des Anlegerkapitals in die Substanz der Immobilie und in das Grundstück.

Auch die Bankgesellschaft Berlin (BGB) wollte vom Boom der Geschlossenen Immobilienfonds profitieren. Bis Ende 2000 legten zunächst die Landesbank Berlin und später die IBV Fonds mit einem Volumen von rund 25 Milliarden Mark auf. Die Besonderheit lag hier in den zahlreichen Garantien für die Anleger. Wer sein Geld hier investierte, konnte es nicht verlieren: Denn wenn Mieter nicht genug zahlen, um die Rendite-Versprechen zu halten, dann springt die Bankgesellschaft ein. Diese Garantien tragen maßgeblich dazu bei, dass die BGB in diesem Jahr ohne frisches Kapital vom Land Berlin (wichtigster BGB-Eigentümer) zahlungsunfähig geworden wäre. Zwar sind die Fondsimmobilien derzeit noch vermietet, doch die Bank muss vorsorgen für mögliche Ausfälle. Das verlangt das Kreditgesetz von dem Geldhaus. Deshalb mussten die Banker weitere knapp zwei Milliarden Mark zur Abdeckung von Mietausfall-Risiken zur Seite legen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben