Zeitung Heute : Geschlossene Gesellschaft

Der Tagesspiegel

Louise Schroeder war eine mutige Frau, engagierte Bürgermeisterin von Berlin-West mit starken Vorbehalten gegenüber dem, was sich im Berlin der Nachkriegszeit jenseits der Sektorengrenze formierte. Sie hätte sich mehr als gewundert, wer da gestern in ihrem Namen zusammenkam: Bei der Verleihung der Louise-Schroeder-Medaille an Daniela Dahn blieb die PDS-Führung mit der ihr nahe stehenden Ost-Prominenz weitgehend unter sich. CDU, Grüne, FDP und ehemalige DDR-Bürgerrechtler, sie alle hatten ihre Teilnahme abgesagt. Rita Süßmuth, des Dogmatismus unverdächtig, wollte nach ausführlicher Lektüre der Schriften von Dahn keine Laudatio mehr halten. Denn die Publizistin hat sich hervorgetan unter anderem durch die Gleichsetzung von DDR und BRD: „Die Summe der Repression ist immer gleich.“ Soll sie schreiben, was sie will – aber muss Frau Dahn für das Bedienen simpler Ressentiments noch geehrt werden? Bei der rot-roten Koalition siegte Parteipolitik über politische Sensibilität. Ein Spiegelbild übrigens zum unwürdigen Streit vom vergangenen Jahr, als die CDU ausgerechnet der SPD-Politikerin Regine Hildebrandt die Medaille verwehrte, kurz vor dem Tod. Wer weiß, welche Peinlichkeit sich die Berliner Parteien im nächsten Jahr einfallen lassen? Arme Louise Schroeder.svs

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