Zeitung Heute : Geschmackssachen

Paul Janositz

Die Pestizidhöchstwerte in Obst und Gemüse wurden 2002 vielfach überschritten. Was wäre, wenn die Lebensmittel nach wie vor so stark chemisch belastet wären?

In knapp vier von zehn Obst-, Gemüse- und Getreideproben fanden sich Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Bei jeder zwanzigsten Probe übertraf der Gehalt dieser Pestizide sogar die zulässigen Höchstwerte. So steht es in einem Bericht der Europäischen Kommission, der die Ergebnisse von Lebensmitteluntersuchungen in 15 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein für das Jahr 2002 zusammenfasst. Ein Gesundheitsrisiko könne „somit nicht ausgeschlossen werden“, warnt EU-Verbraucherkommissar David Byrne. Zumal sich an den gesetzlichen Rahmenbedingungen seit 2002 nichts Wesentliches geändert hat.

In dem Bericht heißt es weiter, der Anteil belasteter Obst-, Gemüse- und Getreideprodukte sei seit 1996 in etwa gleich geblieben. Bei den Proben, deren Gehalt an Pflanzenschutzmitteln über den Grenzwerten liege, zeige sich dagegen eine steigende Tendenz – in den vergangenen sieben Jahren von drei auf 5,5 Prozent. Zugenommen habe auch die Zahl der Lebensmittel, die gleich mehrere Sorten von Pestiziden enthalten. Innerhalb von vier Jahren habe sich der Anteil von 14 auf 20,7 Prozent gesteigert. Bei den Zahlen für Deutschland fällt eine Zunahme der belasteten Proben von 46 Prozent im Jahr 2001 auf 54 Prozent 2002 auf. Die Zahl der Proben mit Grenzwertüberschreitung stieg von 3,4 auf 5,1 Prozent. Die in allen Bundesländern gesammelten Daten werden nach Brüssel übermittelt, wo sie mit den Ergebnissen der übrigen Staaten ausgewertet werden. Wegen dieses aufwändigen Prozesses liegen erst jetzt die Zahlen für 2002 vor.

Bei der Interpretation der Zahlen mahnt Lebensmittelchemiker Manfred Edelhäuser zur Vorsicht. „Mancherorts werden jetzt exaktere Geräte eingesetzt, die immer kleinere Schadstoffmengen finden,“ sagt der Referent im Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg. Außerdem würden gezielt problematische Obst- und Gemüsesorten untersucht. Eine Gesundheitsgefahr sieht er daher für Verbraucher in Deutschland nicht. Die Grenzwerte enthielten einen „großen Sicherheitszuschlag“. Künftig drohen aber eine Aufweichung der strengen deutschen Grenzwertstandards, wenn nämlich das Recht EU-weit angeglichen wird. Wer daher auf der ganz sicheren Seite sein wolle, sagt Edelhäuser, solle zu biologisch angebautem Obst oder Gemüse greifen. Wie das baden-württembergische Lebensmittelamt festgestellt hat, sind in Biokost deutlich weniger Pflanzenschutzmittel enthalten als in konventionell erzeugten Lebensmitteln.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar