Zeitung Heute : Geschorene Pferde

Rituale weltweit – eine Auswahl

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FARBEN

In Westeuropa hat sich Schwarz als Trauerfarbe durchgesetzt – allerdings erst ab Ende des 14. Jahhunderts. Vorher trugen die Trauernden Rot, Grün und Blau. Die Belgier ziehen jedoch Weiß vor – als die niederländische Königin Juliana starb, wurde sie wunschgemäß in Weiß beerdigt. Nur in Spanien gilt schwarze Kleidung schon seit dem 12. Jahrhundert als Trauerkleidung.

HAARE

In Indien und Nepal tragen die Frauen ihre Haare offen und legen allen Schmuck ab. Die Männer lassen sich den Kopf scheren. Strenggläubige Juden rasieren sich in der Trauerzeit nicht. In Malta und Griechenland wurden bei einem Todesfall Pferden Mähnen und Schweife geschoren.

KLEIDUNG

Noch auf dem Friedhof zerreißen gläubige Juden ein Stück ihrer Kleidung in Herzhöhe. Dieses Kleidungsstück wird während der gesamten siebentägigen Trauerzeit, der Schiwa, nicht abgelegt. Unter den gläubigen Juden in Amerika ist es inzwischen Brauch, statt der Kleidung ein Band zu zerreißen und dieses sieben oder 30 Tage oder, falls man um die Eltern trauert, ein ganzes Jahr sichtbar zu tragen.

ETIKETTE

Aus: „Etiquette for Ladies“, London 1925: „Witwen tragen zwei Jahre Trauer. Diamanten und Perlen werden häufig bei tiefer Trauer getragen, Gold wird für gewöhnlich nicht getragen, ehe ein Jahr vorbei ist. Eine Witwe sollte sich nicht in der Gesellschaft zeigen, ehe nicht mindestens drei Monate verstrichen sind. Tänze und Bälle sollte sie mindestens ein Jahr lang meiden.“

PUTZEN

In Graubünden war es üblich, die Stube nach dem Tod eines Angehörigen ein Jahr lang nicht aufzuwischen – um die letzten Spuren der Verstorbenen nicht zu beseitigen.

SCHMUCK

In England und Amerika fertigte man als Andenken Uhrbänder, Armbänder, Broschen und Ringe aus den Haaren der Toten. In Neuengland verteilte man nach Beerdigungen Trauerschmuck: Ringe, die mit einem Schädel und gekreuzten Knochen verziert waren.

KIRCHE

In vielen Kirchen bekam die trauernde Familie früher spezielle Plätze zugewiesen: die Klagestühle. Die Trauernden mussten auch nicht aufstehen, zum Segen beispielsweise.

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