Zeitung Heute : Geschulte Helferinnen entlasten Ärzte

Brandenburg: 30 Fallmanagerinnen starten im April.

Der eine oder andere kann sich vielleicht an Schwester Agnes erinnern, die von Agnes Kraus gespielte patente Gemeindeschwester aus dem Defa–Film von 1975: Agnes, Mitte 50, alleinstehend, großherzig, ist Gemeindeschwester mit Leib und Seele. Mit ihrer Schwalbe braust sie in der Oberlausitz zu ihren Patienten. Wenn Schwester Agnes im Dienst ist, braucht es seltener den Arzt.

Das Modell „Gemeindeschwester“ hat in den vergangenen Jahren neue Popularität erlangt: Wegen des Ärztemangels in ländlichen Regionen wurde in Modellversuchen erprobt, wie viele Aufgaben Schwestern den Ärzten abnehmen können. Eines der ersten Projekte dieser Art startete 2005 in Ostdeutschland unter dem sperrigen Namen „arztentlastende, gemeindenahe, E-Health-gestützte, systemische Intervention“ – kurz Agnes. Schwester Agnes war wieder da.

Soeben ist in Brandenburg die Weiterentwicklung des Projektes, „Agnes zwei“, mit Erfolg zu Ende gegangen: 30 sogenannte Fallmanagerinnen haben ihre Zertifikate bekommen und werden vom 1. April an in allem Brandenburger Landkreisen außer Oberhavel und Teltow-Fläming im Einsatz sein.

Die Managerinnen nehmen den Ärzten zeitraubende Aufgaben ab: Sie besuchen etwa für einfache Behandlungen ältere Kranke zu Hause – messen den Blutdruck, wechseln Verbände –, oder helfen beim Ausfüllen komplizierter Formulare. Das Modell wird von den Krankenkassen AOK und Barmer unterstützt. Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) sagte, es habe sich in einer einjährigen Probephase bewährt, weshalb es künftig landesweit etabliert werden solle. 30 weitere Fallmanagerinnen werden Tack zufolge demnächst qualifiziert.

Die Kompetenzen der Fallmanagerinnen gehen über jene der Gemeindeschwestern hinaus. Nach Angaben der Ministerin werden die Fallmanagerinnen auch für die soziale und familiäre Beratung ausgebildet. Tack forderte die anderen Krankenkassen auf, sich der Initiative anzuschließen und ihren Kunden die Nutzung der Leistungen zu ermöglichen.

Der geplante Einsatz der Fallmanagerinnen soll nicht auf unterversorgte Regionen beschränkt bleiben. Die Ministerin rechnet für 2013 mit 120 bis 130 aktiven Fallmanagerinnen in Brandenburg. Die spezialisierten Arzthelferinnen werden in der Verantwortung der Kassenärztlichen Vereinigung ausgebildet. Die Kassen stellen pro Jahr und Patient 480 Euro zur Verfügung. Allerdings ist laut Hans-Joachim Helming, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, die Anbindung an einen Arzt zwingend. Eine freiberufliche „Agnes“ soll es nicht geben. bak/dapd

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