Zeitung Heute : Gesetz zu Stammzellen ist gelockert

Berlin - Der Bundestag hat am Freitag mit klarer Mehrheit das Stammzellgesetz gelockert. Nach kontroverser Debatte stimmten 346 Abgeordnete aus allen Fraktionen dafür, den Stichtag für das Herkunftsdatum embryonaler menschlicher Stammzellen einmalig zu verschieben. Damit dürfen deutsche Forscher künftig Stammzellen aus dem Ausland importieren, deren Ursprung auf die Zeit vor dem 1. Mai 2007 zurückgeht.

Stammzellen können Kopien von sich selbst erstellen und sich zu spezialisierten Zellen weiterentwickeln. Auf Stammzellen gründen sich Hoffnungen zur Heilung von Krankheiten. Wissenschaftsorganisationen begrüßten den Beschluss. Viele Forscher hatten mit der Begründung für eine Verschiebung des Stichtags 1. Januar 2002 plädiert, dass die Forschung mit den „alten“ Stammzelllinien an ihre Grenzen komme. Vor allem aus der katholischen Kirche kam erneut heftige Kritik. Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) kündigte an, seine Regierung wolle im Bundesrat den Vermittlungsausschuss anrufen.

In den Abstimmungen über fünf Gruppenanträge wurden innerhalb der Fraktionen große Unterschiede deutlich. So stimmten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und eine knappe Hälfte der Unionsfraktion für den siegreichen Antrag, während Fraktionschef Volker Kauder und eine knappe Mehrheit der Fraktion ihn ablehnte. Kauder hatte sich in der vorangehenden Abstimmung für ein vollständiges Forschungsverbot ausgesprochen. Dagegen stimmte Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) für die komplette Freigabe. Die Gesetzesnovelle sieht auch vor, dass deutsche Forscher sich nicht mehr strafbar machen, wenn sie im Ausland an jüngeren Zelllinien forschen. bib

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