Zeitung Heute : Gesetze als Ideenpool

Die Ausnahmeregelungen im Jugendarbeitsschutzgesetz lassen viel Freiraum

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Die materiellen Wünsche Jugendlicher übersteigen oft, was ein Taschengeld in durchschnittlicher Höhe möglich macht. So bleibt Schülern oft keine andere Wahl, als sich einen einen Job zu suchen. Das Problem dabei ist nicht allein der Arbeitsmarkt, auf dem Aushilfsjobs für Schüler Seltenheitswert haben. Schwierigkeiten macht manchmal auch das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). Es gilt für alle Jugendlichen im Alter zwischen 15 Jahren und Volljährigkeit.

Arbeitnehmer dieses Alters dürfen nicht mehr als acht Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden pro Woche beschäftigt werden. Und nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit darf ein Jugendlicher nicht vor Ablauf einer ununterbrochenen Freizeit von mindestens zwölf Stunden wieder beschäftigt werden.

Karin Hummes-Flörke, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Bremen, kennt sich mit den Vorschriften, die Arbeitgeber manchmal zögerlicher sein lassen als notwendig, bestens aus. Denn für Verstöße existiert ein umfangreicher Bußgeld- und Strafvorschriftenkatalog. Für Jugendliche, die gleichwohl Geld verdienen möchten, hat Fachanwältin Hummes-Flörke deshalb den Tipp, sich die Gesetze zu ihrem eigenen Schutz einmal selbst anzuschauen und dabei automatisch auch die vielen Ausnahmeregelungen zu entdecken. Der Blick ins JArbSchG liefere den einen oder anderen Hinweis auf Jobmöglichkeiten, auf die man zuvor nicht gekommen sei.

Wohl wahr. Sonderregelungen existieren beispielsweise für die Arbeit in der Landwirtschaft. In der Erntezeit dürfen Jugendliche über 16 Jahren bis zu neun Stunden täglich, aber nicht mehr als 85 Stunden in der Doppelwoche beschäftigt sein. Grundsätzlich dürfen Jugendliche auch nur in der Zeit von 6 Uhr bis 20 Uhr beschäftigt werden. Allerdings: In Gaststätten und im Schaustellergewerbe ist es ab 16 Jahren auch bis 22 Uhr erlaubt, in mehrschichtigen Betrieben ist es sogar bis 23 Uhr, in Bäckereien sowie Konditoreien wiederum ab 5 Uhr (17-Jährige schon ab 4 Uhr) zulässig. In der Landwirtschaft wiederum gilt die besondere Regel „ab 5 Uhr oder bis 21 Uhr“. Grundsätzlich ist zwar die Fünf-Tage-Woche vorgeschrieben, aber die Reihe der Ausnahmen ist auch hier lang. Gearbeitet werden kann am Wochenende etwa in Krankenanstalten, Alten-, Pflege- und Kinderheimen, offenen Verkaufsstellen, Bäckereien und Konditoreien, im Friseurhandwerk, im Verkehrswesen und in Gaststätten, ferner bei Musikaufführungen, bei Theatervorstellungen, bei Aufnahmen im Rundfunk und bei Film- und Fotoaufnahmen.

Kein Pardon freilich gibt es bei Arbeiten, die die physische oder psychische Leistungsfähigkeit übersteigen, bei denen die Jugendlichen „sittlichen Gefahren“ ausgesetzt sind oder die mit besonderen Unfallgefahren verbunden sind, ebenso Arbeit, die mit außergewöhnlicher Hitze, Kälte, Nässe, Lärm, Erschütterungen, Strahlung oder chemischen Gefahrstoffen verbunden ist. rch

Mehr Infos im Internet:

http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/juschg/index.html

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