Zeitung Heute : „Gesetzliche Frauenquote langt nicht“ Wolf Jobst Siedler

Tagesspiegel-Diversity-Kongress: Böhmer fordert weitergehende Schritte 1926–2013.

Foto: Daniel Biskup/ laif
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Berlin - Die Tinte unter dem Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD ist noch nicht trocken, da steigt der Druck auf die Wirtschaft, schneller etwas dafür zu tun, dass Frauen stärker in Führungspositionen kommen. „Eine gesetzliche Frauenquote langt nicht“, sagte Maria Böhmer, die Beauftragte der Bundesregierung für Integration, am Donnerstag in Berlin. Sie sprach vor etwa 300 Zuhörern auf dem Kongress Diversity 2013, den der Tagesspiegel und die Initiative Charta der Vielfalt ausrichten.

„Es muss insgesamt eine Kultur der Weitsichtigkeit und der Offenheit geben“, forderte Böhmer und verteidigte zugleich die Beschlüsse zur Einführung einer gesetzlichen Quote für Aufsichtsräte in börsennotierten Unternehmen. Die Entwicklung müsse aber auch die kleinen und mittelgroßen Unternehmen erreichen. „Hier sind vor allem die Kammern gefragt“, sagte Böhmer. Die Quote sei zudem nur ein Instrument. „Wir brauchen eine nachhaltige Strategie, die sich an den einzelnen Lebensphasen – auch denen der Männer – orientiert.“

Wolfgang Schröder (SPD), Staatssekretär im brandenburgischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie, warnte, dass die Arbeitgeberseite noch zu sehr geschont würde. „Dass sich die Zahlen in eine gute Richtung entwickeln, ist zu großen Teilen den Gewerkschaften zuzuschreiben. Die schönen die Statistiken“, sagte Schröder. „Wir müssen den Druck halten – sich auf dem Koalitionsvertrag auszuruhen geht nicht“, appellierte auch CDU-Politikerin Rita Pawelski, die 23 Jahre lang für ihre Fraktion im Bundestag saß. „Sonst schläft das wieder ein.“

Wie eine ebenfalls am Donnerstag vorgelegte Studie belegen soll, ist der Frauenanteil in den 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands in diesem Jahr sogar gesunken. Er sei auf 6,3 von 7,8 Prozent gefallen, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit. Unter den 191 Vorstandsmitgliedern der 30 Dax-Unternehmen befänden sich nur zwölf Frauen. „Der Rückgang signalisiert, dass mehr Frauen in Führungspositionen, insbesondere in Spitzenpositionen, kein Selbstläufer sind“, sagte die DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies, Elke Holst. kph/mch/mve

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Sein Ton war unverwechselbar,

sein Auftreten einprägsam.

Der langjährige Feuilletonchef des Tagesspiegels starb

in seiner Heimatstadt Berlin

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