GESPRÄCHManfred Flügge stellt seine Biografie von Marta Feuchtwanger vor : Schöne Blüte, falscher Glanz

Noemi HahnemannD

Als sie ihn 1910 kennenlernte, sprach nicht viel dafür, dass es lange gut gehen würde. Er war ein spielender und trinkender Bohemien, sie die Tochter eines jüdischen Tuchhändlers. Aber aus der Liaison wurde zwei Jahre später eine Ehe zwischen Marta Löffler und Lion Feuchtwanger. Sie dauerte 46 Jahre, bis zum Tod des Schriftstellers 1958, und überdauerte doch mehr als diese Zeit: den Tod des einzigen Kindes bei der Geburt, gleich 1912; seine anhaltenden Affären und ihre Eskapaden. „Sie war eine der schönsten Blüten dieser großen, kritischen Epoche mit ihrem falschen Glanz“, schreibt Manfred Flügge in seiner Biografie „Die vier Leben der Marta Feuchtwanger“ (Aufbau-Verlag). „Sie war eine freie, elegante, vielbeachtete Frau, sie hatte ihr Auto, ihren Wintersport, ihre eigenen Freunde und Bewunderer. Sie war eine renommierte Gastgeberin in einem originellen Haus. So hätte es weitergehen können.“ Aber die Nazis trieben sie ins Exil, die Villa in Berlin wurde geplündert.

In ihren Erinnerungen „Nur eine Frau – Jahre, Tage, Stunden“ hat Marta ihr Leben selbst schon Revue passieren lassen. Flügge wagt noch einmal den Blick von außen: Wie sie, das bayerische Mädchen, das seinen Akzent nie loswurde, trotz fehlender Berufsbildung einerseits zur selbstbewussten Frau reifte – und andererseits doch die Dienerin eines schwierigen Mannes blieb. Alle seine Manuskripte – vom „Jud Süß“ bis zur „Jüdin aus Toledo“ arbeitete sie durch. Im Brecht Haus entwerfen nun Manfred Flügge und Wilhelm von Sternburg im Gespräch mit Sonja Hilzinger ein Bild dieser vielschichtigen Frau.Noemi Hahnemann

Literaturforum i. Brecht-Haus, Do 18.12., 20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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