Zeitung Heute : Gesucht: Der Fingerabdruck

Roboter untersuchen Gensignaturen des Tumors

Philipp Grätzel

Die Gene eines Tumors können wertvolle Hinweise auf Verlauf oder Behandlungsmöglichkeiten einer Krebserkrankung geben. Doch auch die Genaktivität ist wichtig. Um sie zu messen, entwickeln Krebsforscher Gensignaturen und analysieren sie mit Hilfe von Robotern.

Krebs entsteht nicht durch eine einzelne Genveränderung. Erst das komplexe und in seinen Einzelheiten oft kaum erfassbare Zusammenspiel zwischen zahlreichen Genen macht einen Tumor aus. Eine Möglichkeit, das genetische Orchester in seiner ganzen Vielfalt zu erfassen, ist die Analyse von RNS-Molekülen. Diese „Abschriften“ der Gene sind ein Maß dafür, wie aktiv die Gene einer (Tumor-)Zelle sind.

An der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen haben Professor Michael Stürzl und Privatdozent Roland Croner gemeinsam mit Siemens eine neue, robotergestützte Methode entwickelt, um bei Patienten mit Darmkrebs solche „Fingerabdrücke“ des Tumors mit relativ wenig Aufwand genau zu bestimmen.

„Was wir brauchen, ist eine Analysetechnik, die im klinischen Alltag einsetzbar ist. Die Methodik, die wir entwickelt haben, arbeitet mit konventionellen Paraffinschnitten, die bei jedem Patienten ohnehin angefertigt werden“, so Stürzl.

Aufbauend auf Vorarbeiten zahlreicher Forscher haben die Wissenschaftler hundert der wichtigsten Gene identifiziert, die sie jetzt für ihre „Polyprobe“ genannte Gensignatur berücksichtigen. Sie wird derzeit bei 650 Darmkrebspatienten in Frankfurt und Erlangen evaluiert. „Dabei wollen wir unter anderem herausfinden, ob die Gensignatur Hinweise darauf erlaubt, wie die Prognose der Patienten ist und wie gut die Patienten auf die gängigen Therapieverfahren ansprechen“, so Stürzl.

Was die Erlanger beim Darmkrebs machen, versucht der Forschungsverbund Neopredict beim Brustkrebs. Auch hier geht es um die Entwicklung einer RNS-Signatur. „Unser Ziel ist es, besser vorherzusagen, welche Frauen mit Brustkrebs gut auf eine Chemotherapie vor der Operation ansprechen und welche nicht“, betont Carsten Denkert, Professor an der Charité Berlin.

In einem ersten Schritt wurde dafür eine Reihe molekulargenetischer Marker festgelegt, die unter anderem das Wachstum der Krebszellen, die begleitende Entzündung und hormonelle Faktoren abbilden. Der daraus entwickelte „Fingerabdruck“ des Brustkrebses wurde dann in einer klinischen Studie bei 190 Patientinnen evaluiert. Die Ergebnisse sollen in Kürze vorliegen. Philipp Grätzel

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!