Zeitung Heute : GEW fordert Betreuung für Schulkinder

Rechtsanspruch soll auch für Sechs- bis Zwölfjährige gelten / Ministerin: Thema für nächste Legislatur.

Berlin - Eltern sollen nach den Vorstellungen der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) künftig auch einen Rechtsanspruch auf die Ganztagesbetreuung ihrer Kinder erhalten. Damit ist die Versorgung von Nachwuchs im Alter von sechs bis zwölf Jahren zwischen 7.30 Uhr und 16 Uhr gemeint. „Die Politik muss jetzt einsteigen und das Dilemma des Schuleintritts lösen“, sagte Norbert Hocke vom Bundesvorstand der Gewerkschaft dem Tagesspiegel.

Hintergrund der Forderung ist der am 1. August in Kraft tretende Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kinder unter drei Jahren. Bis zum Stichtag sollen nach den Zahlen des Bundesfamilienministeriums deutschlandweit rund 813 000 solcher Plätze zur Verfügung stehen – 30 000 mehr als benötigt. Ein Ergebnis, das Hocke nicht genügt. „Deutschland mangelt es derzeit an einer Politik, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Gesamtheit betrachtet“, kritisierte Hocke. „Bislang ist das alles Stückwerk, wir brauchen aber ein Gesamtkonzept.“

Laut GEW sind Eltern vor allem dann auf die ganztägige Betreuung ihres jungen Nachwuchses angewiesen, wenn sie voll berufstätig sind. Wie diese Form der Kinderbetreuung im Einzelnen organisiert ist, hängt vom jeweiligen Familienwohnort ab. Während einige Bundesländer vor allem auf Horte der Kinder- und Jugendhilfe zurückgreifen, springen in anderen Ländern mehrheitlich Ganztagsschulen für die Erziehungsberechtigten in die Bresche. Nach Zahlen des Bundesamtes für Statistik wurden zum Stichtag 1. März 2012 mehr als 450 000 Kinder in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe betreut. Erhebliche Unterschiede gibt es zwischen Ost und West. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2011 besuchten in Westdeutschland im vorangegangenen Schuljahr nur rund 21,4 Prozent der deutschen Grundschulkinder einen Hort, während im Osten 75,4 Prozent ein Ganztagesangebot nutzten.

Das Bundesfamilienministerium verweist auf die Länder. „Das ist ein wichtiges Thema, das in der nächsten Legislaturperiode mit den Ländern diskutiert werden muss“, sagte Familienministerin Kristina Schröder (CDU). Die FDP fordert den Bund wiederum auf, sich einen Überblick zu verschaffen. „Natürlich ist das Ländersache, aber es wäre eine Aufgabe für den Bund, zu schauen, welche Angebote es gibt und wie hoch der Bedarf ist“, sagte die familienpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Miriam Gruss, dem Tagesspiegel. Einen Rechtsanspruch lehnt sie „derzeit“ ab. Sie betonte aber: „Es muss eine verlässliche Betreuung durch alle Jahrgangsstufen der Kinder geben, und gerade im Hortbereich muss etwas getan werden, qualitativ und quantitativ.“

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