Gewalt bei Fußballspielen : NRW reduziert Polizeipräsenz in Stadien

In Nordrhein-Westfalen will die Polizei künftig ihre Präsenz in Fußballstadien deutlich herunterfahren. Das stößt auf Kritik - zum Beispiel beim Berliner Innensenator.

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Berlin - Nach dem Stadtstaat Bremen will auch Nordrhein-Westfalen neue Wege gehen, um die ausufernden Kosten bei Polizeieinsätzen in Fußballstadien einzudämmen. In einem Pilotprojekt, das sich über vier Spieltage erstrecken soll, will das Land „den Kräfteeinsatz optimieren“, wie Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Montag in Düsseldorf sagte. In einem internen Protokollvermerk über ein Gespräch im Innenministerium, der dem Tagesspiegel vorliegt, heißt es dazu: „In Abhängigkeit von der Erkenntnislage zur jeweiligen Veranstaltung werden dabei Spielbegegnungen identifiziert, die ohne den Einsatz von Bereitschaftspolizei bzw. mit einem geringeren Kräfteansatz als in den Vorjahren begleitet werden.“ Vor der Presse hob Jäger am Montag hervor, Einsätze bei sogenannten Risikospielen blieben unangetastet. Gleiches gelte für „das konsequente Vorgehen gegen Gewalttäter“. Es gehe „allein um die Spiele, die in den letzten drei Jahren ohne Krawalle geblieben sind“. In diesen Fällen wolle man den Kräfteeinsatz der Bereitschaftspolizei „lageangepasst runterfahren“.

In Berlin stieß die Ankündigung auf Kritik. Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, er halte „die Debatte, die einige SPD-Minister derzeit aufmachen, für brisant“. Zwar könne er verstehen, dass der Kollege aus NRW seine Beamten anders einsetzen möchte. „Aber ein Rückzug wäre falsch. Es muss sichergestellt werden, dass der Staat seine Kernaufgaben wahrnimmt“, sagte Henkel und betonte, dass es in Berlin keine Pläne wie in NRW gebe. Schon heute gelte, dass die Veranstalter grundsätzlich selbst für die Sicherheit in den Stadien verantwortlich seien. „Aber es gibt Aufgaben im Umfeld der Stadien und auf den Wegen dorthin, die nur die Polizei wahrnehmen kann“, sagte Henkel.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) zeigte Verständnis für den Vorstoß Nordrhein-Westfalens. Zwar sei man vorab nicht über solche Konzepte informiert worden. „Die Überlegungen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums sind aber im Grundsatz durchaus nachvollziehbar“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. Im Juli hatte der rot-grüne Senat von Bremen ein neues Gebührenrecht beschlossen, das noch vom Bremer Parlament gebilligt werden muss. Es sieht vor, dass die Polizei bei Risikospielen von der DFL Gebühren verlangen kann, wenn der Einsatz den Rahmen von 200 Beamten übersteigt. In diesem Fall reagierte die DFL zur Strafe mit der Verlegung eines Nationalmannschafts-Testspiels von Bremen nach Nürnberg.

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