Zeitung Heute : Gewerbeimmobilienmarkt: Mit Zahlen gegen die Abwanderung

Harald Olkus

Den Gewerbeimmobilienmarkt transparent und übersichtlicher machen will die Wirtschaftsförderung der Potsdamer Industrie- und Handelskammer (IHK) mit ihrem neu erschienenen Gewerbemietenverzeichnis. Das Verzeichnis umfasst den IHK-Bezirk Potsdam, der sich über den gesamten Westen des Landes Brandenburg erstreckt.

Mit der mittlerweile zum dritten Mal herausgegebenen Broschüre können gewerbliche Mieter und Interessenten sich einen Überblick über das derzeitige Mietpreisniveau verschaffen oder überprüfen, ob ihre aktuelle Miete noch angemessen ist. Auf diese Weise will die IHK Potsdam auch dazu beitragen, die Innenstädte im Kammerbezirk wieder zu beleben und attraktiver zu machen. Denn ein besserer Branchenmix soll nicht zuletzt der anhaltenden Abwanderung der Bevölkerung aus Städten wie Potsdam, Brandenburg und selbst Rheinsberg entgegenwirken. Der Bevölkerungsverlust für die Kommunen sei inzwischen existenziell, sagt der Abteilungsleiter im Potsdamer Bauministerium, Gerhard Steintjes.

Positive Wanderungsbilanzen zeigen fast ausschließlich Kleinstädte und Gemeinden im so genannten Speckgürtel Berlins, die vom Wegzug der Berliner ins Umland profitieren. Dazu gehören Kleinmachnow und Stahnsdorf, Mahlow und Blankenfelde sowie Falkensee und Brieselang oder Hohen Neuendorf und Hennigsdorf. Die einzige Ausnahme ist Werder, das die größere Entfernung vom Berliner Stadtrand offensichtlich mit seiner Wasserlage und Atmosphäre kompensieren kann.

Das Gewerbemietenverzeichnis werde stark nachgefragt, sagt Henri Weiß von der Wirtschaftsförderung der Potsdamer IHK. Vor allem von Unternehmern, Einzelhändlern, Wohnungsgesellschaften und Investoren seien immer wieder positive Rückmeldungen zu hören. Neuansiedler nutzten die Broschüre, um das Preisniveau in den einzelnen Regionen vergleichen zu können. Aber auch viele Mieter zeigten starkes Interesse, sagt Weiß. Jetzt, etwas mehr als zehn Jahre nach der Wende, laufen viele Mietverträge aus oder bieten Verlängerungsmöglichkeiten. "Viele Mieter wollen sehen, ob sie zu viel bezahlen oder ob sie vergleichbare Räume günstiger oder zum gleichen Preis in einer besseren Lage haben können."

Das aktuelle Gewerbemietenverzeichnis sei im Vergleich zu seinen Vorgängern verbessert und mit mehr Angaben versehen worden, sagt der Potsdamer Wirtschaftsförderer. So wird der Einzelhandel in der Potsdamer Innenstadt als Schwerpunkt in der Broschüre näher betrachtet. Während sich die Beschreibung der Gewerbeflächen für die Gastronomie, Lagerflächen und Büros darauf beschränkt, die Miethöhen nach Lagequalität zu ordnen und in Bandbreiten anzugeben, hat der von der IHK als Mietfachmann ausgewählte Manfred Stelter die Situation der Potsdamer Einkaufsstraßen auch kommentiert. Für die zentrale, aber mit Leerstand kämpfende Brandenburger Straße in Potsdam wurde zum Beispiel eine Mietbandbreite von 35 bis 80 Mark pro Quadratmeter Ladenfläche für unter 100 Quadratmeter große Geschäfte festgestellt. Größere Läden kosten zwischen 45 und 55 Mark Miete pro Quadratmeter.

"Im zentralen Straßenbereich zwischen der Hermann Elflein-Straße und der Friedrich-Ebert Straße" seien "aufgrund der stärkeren Passantenfrequenz" dagegen höhere Mieten zu erwarten. Mit der Ansiedlung "wichtiger Handelsbetriebe", wie dem geplanten Um- und Ausbau des Karstadt-Kaufhauses werde sich nach Ansicht des Sachverständigen der Branchenmix verbessern. "In absehbarer Zeit" sei damit zu rechnen, dass sich "die durchschnittlichen Ladenmieten in der Brandenburger Straße wieder auf höherem Niveau einpendeln."

Eine "Chance für Belebung" der Potsdamer Innenstadt sieht zwar auch Rolf Scheffler von Aengevelt-Research. Allerdings sei die Lage auch weiterhin "sehr schwierig". Bei den Einzelhandelsflächen habe sich der Leerstand auf rund 25 000 Quadratmeter erhöht. Die Gründe dafür lägen einerseits in mangelnden Pkw-Stellplätzen und einem fehlenden Parkplatzleitsystem. Andererseits hat sich die Zahl der Einzelhandelsflächen in Potsdam seit 1995 fast verdreifacht. Neben dem "Stern-Center" wurde in den vergangenen Jahren ein Baumarkt mit Gartencenter, der "Weberpark" und das Einkaufszentrum "Am Bürohochhaus" fertiggestellt. Noch in der Vermietung befindet sich das umstrittene "Potsdam Center". Während zwei Drittel der insgesamt 18 000 Quadratmeter weitgehend frei vermietet werden können, gestaltet sich die Suche nach passenden Mietern für die restliche Fläche schwieriger. Denn hier dürfen nur Läden einziehen, die keine "innenstadtrelevante Sortimentsstruktur" aufweisen.

In der Warteschleife hängt auch noch das geplante Freizeitcenter Drewitz. Denn das Konzept der Immobilie gerät gleich zwei Konkurrenten in die Quere: Zum einen läge das geplante Spaßbad vermutlich zu nahe am bereits genehmigten Bad in Werder und zum anderen sind auch Einzelhandelsflächen problematisch, da das Stern Center in unmittelbarer Umgebung liegt.

Große Chancen für die städtebauliche Entwicklung und einen Wachstumsschub für den Potsdam-Tourismus erwartet die Landeshauptstadt von der Bundesgartenschau, die im April beginnt. Im Zuge der "Buga" werden mehrere Stadtteile umgestaltet. Der Schwerpunkt befindet sich auf dem "Bornstädter Feld". Neben dem Umbau der alten Kasernenanlage in Wohnungen soll hier eine 200 Meter lange Ausstellungshalle errichtet werden, in der ein "Natur-Erlebnis-Dschungel" aufgebaut werden soll.

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