Zeitung Heute : Gewiefte Zockerin in Blond

Die Spielerfrauen in der Geschichte der deutschen Nationalelf: mal Muse, mal Heimchen am Herd. Oder ein geschäftstüchtiges Fotomodell wie Gaby Schuster, Frau vom Bernd.

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„Wo wären wir ohne unsere Frauen?“, fragte einst Franz Beckenbauer. Wahrscheinlich nicht in Spanien, heißt die Antwort im Falle Bernd Schusters. Denn unter Karrieregesichtspunkten war die Ehe mit der sieben Jahre älteren Gaby das Beste, was dem notorisch phlegmatischen Augsburger passieren konnte. Das gelernte Fotomodell Gaby erwies sich nämlich als überaus geschäftstüchtig und wurde im Herbst 1980 bei den Verantwortlichen des FC Barcelona vorstellig, um den Ruhm der EM 1980 in Festgeld umzuwandeln. Die Chefs staunten allerdings nicht schlecht, als die konsequent blondierte Gaby sich als gewiefte Zockerin entpuppte und einen sagenhaften Vertrag mit unzähligen Extras aushandelte. Später machte auch Leverkusens Manager Reiner Calmund diese Erfahrung und schnaufte empört: „Ich hatte noch nie einen so harten Verhandlungspartner wie Frau Schuster.“

Ihrem Mann trug diese Arbeitsteilung viel Spott in der chauvinistischen Fußballwelt ein, ein Pantoffelheld sei er, wurde allseits gehöhnt.

Den Schusters war es egal. Heute kommt das blonde Paar kaum mehr in den Schlagzeilen vor, keine blitzlichtgetränkten öffentlichen Auftritte, keine Preisverleihungen mit Tortenanschnitt, keine Galas und Bälle. Gaby Schusters Kommentar: „Ich kann noch immer unerkannt in Köln einkaufen gehen“.

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