Zeitung Heute : Gewonnen durch Erfahrung

Robert Kromm spielte sieben Jahre im Ausland – nun wurde er nach seiner Rückkehr gleich bester Spieler in der Hauptrunde.

Er macht den Unterschied. Robert Kromm hat schon einmal eine Volleyballzeit in Berlin verbracht. Doch derzeit spielt der 29-Jährige so stark wie noch nie zuvor in seiner Karriere. Foto: Harald Ottke
Er macht den Unterschied. Robert Kromm hat schon einmal eine Volleyballzeit in Berlin verbracht. Doch derzeit spielt der...Foto: Harald Ottke

Robert Kromm, am 9. März 29 Jahre alt geworden, 2,12 Meter groß, ist aus Sicht der Sportart, des Vereins und der Fans sicher der Spieler des Jahres bei den BR Volleys. Das darf man bereits vor den Play-offs feststellen. Im Sommer des vergangenen Jahres war er aus Italien nach Berlin zurückgekehrt, wo er von 2003 bis 2005 beim damaligen SCC gespielt hatte.

Kromm, gebürtiger Schweriner, ist nach der Hauptrunde zum wertvollsten Spieler der Deutschen Volleyball-Liga (DVL), gekürt worden. Sieben Mal ist er nach Partien mit der Goldplakette für den besten Mann auf dem Parkett geehrt worden. Durchschnittlich 4,74 direkte Punkte pro Satz hat er erzielt, insgesamt 341 in 19 Hauptrundeneinsätzen. Damit ist er mit Abstand der beste Scorer der Liga. Er ist einer, der im Duell mit anderen Top-Teams den Unterschied ausmachen kann. „Statistisch gesehen ist das wohl bisher die beste Saison meiner Karriere“, sagt Kromm, „aber zu vergleichen ist das nur schwer, weil eine ganze Reihe von Faktoren dazu gehören. Außerdem sind fast alle Punktgewinne immer ein Teamprodukt, das zuvor gemeinsam erarbeitet wird.“

Kromm ist ein Späteinsteiger, erst mit 16 hat er mit dem Volleyball begonnen. Am Sportgymnasium in Schwerin wurde er ausgebildet, dann kam er zum VC Olympia nach Berlin, schließlich zum SCC. Gleich im ersten Männerjahr wurde er 2004 Meister. Zwei Jahre lang machte er in der Champions League auf sich aufmerksam – der Fluch der guten Tat, zumindest aus Sicht des Vereins, folgte umgehend. Schon mit 21 wechselte der Diagonalangreifer ins Ausland, brachte sechs Jahre in Italien und eins in Russland zu. Nun ist er zurück – und, so scheint es, besser denn je. Die Berliner Anfrage bejahte er trotz sicher etwas reduzierter Bezüge schnell, weil alles stimmte. „Ich kann in der Champions League spielen und um Titel mitspielen.“ Das sei eine große Herausforderung, sagt er. „Zuvor war ich überwiegend in mittelklassigen Klubs aktiv, die weder auf Meisterschaft noch internationale Wettbewerbe eine Chance hatten.“ Vor allem in der Champions League permanent von den Besten gefordert zu werden, wie in dieser Saison von den Olympiasieger-bestückten Russen aus Nowosibirsk und Kasan, das reizt und motiviert den großen Mann, nach dessen Aktionen in der Schmelinghalle stets der schrille, hohe Schrei „Robeeert, Robeeert!“ aus der RTL-Soapserie „Die Geissens“ zu hören ist. Erstaunlich schnell hat sich Kromm ins Team integriert, ist darüber hinaus zum Führungsspieler geworden.

„Für das Bisherige kann man sich nichts kaufen, jetzt kommt es darauf an“, sagt er mit Blick auf die Play-offs. Immerhin aber, fügt er an, „schadet das Selbstbewusstsein, das wir uns in der Hauptrunde aufgebaut haben, ganz bestimmt nicht“.

Vor neun Jahren, mit Kromm, sind die Volleys letztmals als Erster in die Ausscheidungsrunde gegangen. Und dann auch Meister geworden. „Ich war damals noch eher ein Frischling“, sagt er. „Inzwischen habe ich eine Menge Erfahrungen gesammelt, und das hat mich stärker gemacht. Volleyball ist ein Erfahrungsspiel.“ Den entscheidenden Unterschied zwischen Kromm damals und Kromm heute benennt er so: „Das ist die Konstanz. Ich kann jetzt mein Potenzial einfach öfter abrufen. Und solange mein Körper mitspielt, will ich das auch noch einige Jahre tun.“ Drei Jahre läuft sein Vertrag in Berlin, nach jeder Saison haben beide Seiten die Möglichkeit, ihn zu kündigen. Vorstellen kann sich das derzeit keiner.

„Meine Familie und ich fühlen uns hier wohl, aus meiner Sicht wird das eine längere Geschichte.“ Grund für den Wechsel nach Berlin war auch, dass der knapp vierjährige Sohn Henry hier den Kindergarten besuchen sollte, Roberts Partnerin nochmal studieren wollte. „Deshalb gibt es ein ganz klares Ja zu Berlin.“ Was die Nationalmannschaft angeht, für die Kromm 197 Länderspiele bestritten und an den Olympischen Spielen 2008 in Peking teilgenommen hat, sagt er dagegen: „Nein“. Die Feststellung, dass er doch unverzichtbar für die Auswahl sei und unbedingt hineingehöre, beantwortet er eindeutig: „Aber ich will gar nicht hinein!“ Vor der Qualifikation für London, ausgerechnet in Berlin ausgetragen, hatte ihn Bundestrainer Vitali Heynen als letzten Akteur aus dem Kader gestrichen. Seitdem ist das Thema Nationalteam für Kromm erledigt. „Es gibt keinen Kontakt, keine Gespräche. Ich konzentriere mich darauf, im Verein auf höchstem Niveau zu spielen, Leistung zu bringen. Ansonsten existieren neben dem Sport ganz viele Dinge in meinem Leben, die wichtig sind.“

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